Freitag, 8. Juni 2018

Stummfilmkino in Pechau

Schon zum zehnten Mal hatten Claudia und Carsten Kriegenburg das Wanderkino zur Stummfilmnacht nach Pechau eingeladen:
Tobias Rank – Piano
Gunthard Stephan – Geige

In ihrem fast 50 Jahre alten Magirus-Deutz-Feuerwehr-Oldtimer fahren die beiden Musiker jeden Sommer quer durch Deutschland, auch Nachbarländer im Süden und Norden bis jenseits der Ostsee stehen regelmäßig auf dem Tourplan.  Nach Pechau brachten sie diesmal einige Kurzfilme von Larry Sermon (u.a. The Hunter, The Sportsmen) und Charly Chaplin (Kid's Car Race in Venice) mit und einen längeren Film von Buster Keaton (Seven Chances).

Normalerweise findet die Stummfilmnacht auf der Wiese des Umflutkanals statt, mit dem Deich als erhöhte Sitzgelegenheit. Der Deich ist zur Zeit Baustelle, deshalb zog das Kino auf eine Wiese am Pechauer See, unterhalb der Kirche um, in eine ebenfalls wunderbare Naturkulisse. Carsten Kriegenburg freute sich, daß auch an den Ausweichstandort so viele Besucher kamen. "Kino hatten wir hier ja auch schon gezeigt", sagte er, "für den Stummfilm ist es eine Premiere". Er wies auf das zehnjährige Jubiläum der Stummfilmnacht in Pechau ebenso hin wie darauf, daß Tobias Rank und Gunthard Stephan seit inzwischen 19 Jahren mit ihrem Stummfilmkino unterwegs sind. Und blickte damit schon auf 2019 voraus: "Im nächsten Jahr können wir dann die 'Schnapszahl' 11 Jahre Stummfilmkino in Pechau und das 20. Jubiläum des 'Wanderkinos' feiern". Auch über "sein" Pechauer Publikum freute er sich: "es bleibt kein Müll auf der Wiese und es fehlt fast kein Weinglas, und wenn doch, dann steht es am nächsten Morgen vor meiner Haustür, mít einer Spende für das Kino darin". Apropos Spende: die Kinonacht wurde auch in diesem Jahr mit freiem Eintritt durchgeführt und über freiwillige Spenden (eine Spendenbüchse – die auch benutzt wurde – stand am Weintresen) finanziert. Dort gab es nicht nur Getränke – viele Pechauer Familien hatten Pizzas gebacken und mitgebracht. Andere hatten im Vorfeld beim Aufbau (und tags drauf dann beim Abbau) geholfen, gekühlte Getränke herangeholt oder halfen bei der Versorgung der Besucher mit Speisen und Getränken. 

Freitag, 1. Juni 2018

Musik für Harfe und Saxophon

Am Freitag gab es in der Bad Salzelmer Johanniskirche ein Konzert in einer ungewöhnlichen Besetzung, für Harfe und Saxophon.
Anna Maria Schwichtenberg – Harfe
Götz Baerthold – Saxophon

Harfe und Saxophon, ein so leises und ein so lautes Instrument, eines aus der klassischen Musik, ein anderes aus der Unterhaltungsmusik – geht das? Das werden sich wohl einige der Konzertbesucher beim Lesen der Konzert-Ankündigung gefragt haben. Um die Antwort gleich vorwegzunehmen: ja, beide Instrumente passten sehr gut zusammen. Zu Beginn des Konzerte, nachdem es im Kirchenschiff ganz still wurde, lässt Anna Maria Schwichtenberg ihre Harfe einmal perlend klingen, dann übernimmt Götz Baerthold die Stimmführung mit seinem Saxophon.   

Schwichtenberg und Baerthold musizieren normalerweise in der Magdeburger Philharmonie. „Wir wollten einfach mal etwas völlig anderes, neues probieren“, sagten sie. Das erforderte auch die Suche nach passender Musik, weil es kaum Original-Literatur für diese Kombination gibt. „Wir fanden nur ein einziges Stück für Saxophon und Harfe, vom Berliner Komponisten Gustav Bumcke“, sagte Götz Baerthold. Dieses erwies sich dann als eine Komposition, bei der beide Instrumente gleichermaßen zur Geltung kamen. Ein sehr harmonisch klingendes Saxophon wurde von Tonfolgen der Harfe begleitet, die wie ein warmer Sommerregen durch die Kirche perlten.

Samstag, 26. Mai 2018

Pretziener Musiksommer – Lukas Storch

Heute wurde der 44. Pretziener Musiksommer eröffnet. An der Orgel saß der Leipziger Organist Lukas Storch.

Pfarrer Michael Seils hob bei der Eröffnung auch das langjährige Wirken seines Amtsvorgängers Rüdiger Meussling hervor, der gemeinsam mit seiner Frau Maria die Konzertreihe 40 Jahre lang organisiert hatte. Daß er in seiner kurzen Ansprache auch von "Zukunftsmusik" sprach, lies auf einen weiteren langen Fortbestand der sommerlichen Musikreihe schließen, auf die das Wort "traditionell" inzwischen wirklich zutrifft.

Lukas Storch an der Hüfken-Orgel
in St. Thomas Pretzien

Mit Lukas Storch saß im ersten Konzert des diesjährigen Pretziener Musiksommers ein gerade dreißig Jahre junger Musiker auf der Orgelbank. Pfarrer Michael Seils hatte seine Frau Franziska, die in Halle an der Hochschule für Kirchenmusik lehrt, gefragt, ob sie nicht mal „Kontakt zu einigen der besten Absolventen herstellen könne“. Diese direkte Art der Künstlervermittlung führte zu einem ausgezeichneten Konzerterlebnis in der Pretziener St.-Thomas-Kirche.

Lukas Storch, der nach dem Studium der Kirchenmusik noch ein Improvisationsstudium in Leipzig absolvierte und jetzt Kirchenmusiker im Leipziger Süden ist, hatte sein Programm im mitteldeutschen Raum angesiedelt. Den Beginn machte der Meister der Kirchen und Orgelmusik, Johann Sebastian Bach. Dessen  Fantasia "Komm heiliger Geist" aus den Leipziger Chorälen wählte Lukas Storch passend zur Pfingstzeit aus. Bachs klare Melodien unterlegte er mit einem wogenden auf und ab von Tönen. 

Neben Johann Sebastian Bach gab es Werke von Friedrich Wilhelm Zachow und Samuel Scheidt. Zwei Hallenser Komponisten der Barockzeit, an denen in Halle kein Musikstudent vorbeikommt, wie Lukas Storch sagte. Die zwölf Variationen von Zachow über die Choralmelodie "Jesu meine Freude" schienen zugleich eine musikalische Führung durch die Möglichkeiten der Pretziener Orgel zu sein, die Storch mal perlend hell, mal tief im dunklen Bass klingen ließ.

Noch interessanter waren Storchs Orgel-Improvisationen. „Ich möchte der Musik der alten Meister gegenüberstellen, wie man heute damit umgehen kann“, sagte er dazu. Und das klang dann auf eine reizvolle Art modern. Sich wiederholende Muster von kurzen, leisen Tonfolgen erinnerten anfangs an Minimal Music, später kamen Trompetentöne hervor, aus denen sich die gewaltige Choralmelodie „Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist“ (und damit auch zum Pfingstfest passend) entwickelte. Storchs Version würde auch zur Filmmusik taugen. In einer anderen Improvisation mischte Lukas Storch Kirchenmusik mit Tangoklängen, unterlegte sie mit den langsamen Sub-Bass-Vibrationen des Modulators und fügte Trompetenklänge hinzu, bis sich die Orgel am Ende wie ein Orchestrion, eine Jahrmarkts- oder eine Kinoorgel anhörte. Das war Musik, die Freude ausstrahlte.

Samstag, 19. Mai 2018

Dixieland in Zens – Alte Wache

Schon zum 22. Mal gab es im großen romantischen Garten der Famile Feldbach in Zens ein Dixielandkonzert. Diesmal war die "Alte Wache" aus Potsdam zu Gast.
Erhard Pannek – Trompete, Gesang
Silke Zimmermann-Haase – Saxophon
Hans-Dieter Ristau – Posaune
Gunnar Beetz – Tenorbanjo, Gesang
Detlef Czopp – Schlagzeug
Helmuth Feibicke – Tuba
Dixiland in Zens: die "Alte Wache" aus Potsdam
sorgt für viele Besucher

Zu Beginn des Konzertes, nach den ersten  Dixieland-Klängen, begrüßte Michael Feldbach die etwa 460 Gäste und bedankte sich bei allen, die an der Vorbereitung beteilgt waren, unter anderem der Heimatverein Zens und die Freiwillige Feuerwehr Zens. Und er wies auf ein großes Sparschwein hin, in dem Geld für einen guten Zweck – für den Eigenanteil der Kirchgemeinde zur Reparatur der Kirchturmuhr - gesammelt wurde.

Außerdem konnte er auch in diesem Jahr wieder auf eine Ausstellung hinweisen, die heute im Carport des Feldbachschen Anwesens zu sehen war: in diesem Jahr stellte Matthias Röhricht unter dem Titel "Fernsichten" Fotos mit sehr interessanten Perspektiven vor, in denen mittels super-langer Telebrennweiten Nah und Fern scheinbar zusammenrückten.

Das Dixielandkonzert in Zens ist ein fester Termin innerhalb der „Klänge im Raum“, dem Musikfest des Salzlandkreises. Viele kommen oft nicht einmal der konkreten Band wegen, sondern gehören zum Stammpublikum, das weiß, daß es jedes Mal gut unterhalten wird. Das Konzert findet immer am Pfingstsonnabend statt – deshalb sollte sich jeder schon mal den nächsten Termin in den Kalender eintragen. Pfingstsonnabend 2019 ist am 8. Juni.

Michael Feldbach begrüßt die Gäste des
Dixiland-Konzertes
Nun aber zur Band. Die spielte ganz unaufgeregten und bodenständigen Dixieland, so selbstverständlich, fröhlich und locker, wie das nach jahrzehntelanger Bühnenerfahrung eben geht. "Die meisten von uns spielen schon seit 35 Jahren zusammen", sagte Bandleader Erhard Pannek. Pannek leitete nicht nur die Band, sondern hatte auch manche Anekdote zur Musik und zur Band dabei, und gleich am Anfang auch den Kalauer, wonach eine Alte Wache besser sei als eine schlafende Junge. Wenn Panecke wenig später auf das Alter der Band und der Musiker zu sprechen kam, dann fällt mir dazu natürlich auch gleich eine Textzeile (von Udo Lindenberg) ein, die gut und gern auch das Zeug zum Kalauer hätte: „Bei Onkel Pö spielt 'ne Rentnerband, seit zwanzig Jahren Dixieland...“

Wie auch immer, ob alt ob jung, müde wurde bei der Alten Wache keiner. Die Musik der Band war, wenn auch wohltuend oldschool, erfrischend munter. Besonders toll, wenn dann auch noch Gesang hinzukam, von Erhard Panecke mit seiner passend zur Dixieland-Athmosphäre passenden rauchig-kratzigen Stimme, mehrstimmig oder (wie bei „Rosanna, oh Rosanna“) im Wechselgesang.

Sonntag, 29. April 2018

Drei Ringe, #1

Im Stuttgarter Innenministerium befindet sich ein Kunstwerk des Potsdamer Künstlers Reik Elias. Unter dem Titel "Drei Ringe" fertigte er drei riesige Metallringe an, die teils aus rostigem Stahl, teils aus hochglänzendem Edelstahl bestehen. Der mit 10,8 Meter Durchmesser größte von ihnen befindet im öffentlich zugänglichen Atrium, zwei weitere in anderen Innenhöfen des 2013 fertiggestellten Gebäudes.


Objekte in derartiger Größe, beiläufig wie eben mal abgestellt an die Wand gelehnt, irritieren den Blick schon durch ihre Proportionen, vor allem wenn nicht nur abstrakte Gebäudelinien, sondern Menschen einen Vergleich bieten. Geht man näher heran, bietet die Spiegelung am Innenkonus einen interessanten Blick auf die streng rechtwinklige Struktur des Gebäudes.
Eine Interpretation des Künstlers ist auf der Webseite zum Gebäude zu finden, bzw. in dieser pdf-Datei.


Dienstag, 13. März 2018

North Sea Gas

Heute abend konnten wir in der Frohser St.-Laurentius-Kirche die schottische Folk-Band North Sea Gas erleben.
Dave Gilfillan – Gitarre, Banjo, Rahmentrommel
Ronnie MacDonald – Gitarre, Bouzouki
Grant Simpson – Violine

North Sea Gas hatte Frohse, den kleinen Stadtteil im Norden von Schönebeck in diesem Jahr nun schon zum zweiten Mal auf ihrem Tourplan. "Wir hatten die Band vor einiger Zeit mal in Falkenstein gesehen", sagte Agnes Schulz, die das Konzert in Frohse mit organisiert hatte, "und wir haben sie da gleich gefragt, ob sie bei uns spielen würden". Das Publikum war vom Konzert im vergangenen Jahr so begeistert, daß die Band gleich für 2018 wieder eingeladen wurde.

Als die drei Musiker auf die Bühne kommen, entsprechen sie nicht dem Klischee einer schottischen Band: es sind weder Röcke noch Dudelsäcke zu sehen. Übrigens gibt es auch keine Verstärker oder Mikros. Nur mit ihren akustischen Instrumenten und ihren kräftigen Stimmen stehen die drei Musiker auf der kleinen Bühne in der Frohser Kirche, die sie mühelos mit Musik füllen. Mit der etwas halligen Akustik des Raumes haben sie keine Probleme. Vielleicht auch deshalb, weil  das Konzert bis auf den letzten Platz ausverkauft war. Das Publikum sitzt beinahe auf Tuchfühlung zu den Musikern und so viele Leute haben auch eine Wirkung auf die Raumakustik.

Die drei Musiker singen schottische Folksongs, Seemanslieder bei denen mich das "Rolling home" ein wenig an das englische "what shall we do with the drunken sailor" erinnert, Lieder von der Sehnsucht nach Caledonia (die lateinisch-keltische Bezeichnung für Schottland), Lieder über die Menschen in Schottland (auch mit etwas Ironie), Lieder über die Geschichte und natürlich auch Liebeslieder. "Die Geschichten darin sind überall in der Welt die gleichen", sagt Dave Gilfillan über die Liebeslieder, "und Ihr habt das wohl sicher auch schon so erlebt". Und sie singen die Lieder mit einer Selbstverständlichkeit, wie sie sie wohl auch in Schottland in der Kneipe nebenan singen würden.

Samstag, 10. März 2018

The Moonband

Bereits im Oktober vergangenen Jahres war die Moonband aus München in Schönebeck zu Gast. Damals in St. Jakobi, bei einem Benefizkonzert für die Buntglasfenster der Kirche. Der Organisator des damaligen Konzertes war von der Band so begeistert (und das zu Recht!), dass er sie nun gleich wieder engagierte. Diesmal für ein Konzert in St. Johannis in Bad Salzelmen.
Eugen Mondbasis – Gitarre, Gesang
Chris Houston – Gitarre, Keyboard, Gesang
Kateřina Kirková – Mandoline, Ukulele, Glockenspiel, Gesang
Gregor Skywalker – Baß
Elena Rakete – Schlagzeug
Chris Houston, Eugen Mondbasis, Gregor Skywalker,
Elena Rakete, Kateřina Kirková (v.l.n.r.)

Die Moonband trat nach dem Magdeburger Gitarristen Jörg Ratai auf, der im Vorprogramm melodische Stücke auf seiner Westerngitarre spielte. Die fünf Musiker nahmen diese ruhige Stimmung auf und begannen ihr Konzert ebenfalls sanft und leise: Den mehrstimmigem Gesang in ihrem ersten Lied „Devil’s got a piece of us” begleiteten sie nur mit wenigen leisen Gitarrenakkorden und ließen ihre Stimmen in die dunkle Kirche hinein klingen. Die Musik der Moonband lag irgendwo zwischen Indie, Folk, Blues und Americana und war mit Gitarren, Ukulele, Banjo und Mandoline, Bass, E-Piano und Schlagzeug überwiegend akustisch geprägt. Und immer wieder gab es mehrstimmige Stimmsätze, die so klangen, als wären sie extra für das große Kirchenschiff geschrieben. Nach der Pause wurde die Musik kräftiger, rockiger, nahm die Zuhörer in moderne Musikwelten mit.

Ihren Bandnamen und auch die Künstlernamen haben die Münchener Musiker aus einem gemeinsamen Interesse an Science-Fiction-Literatur und -Filmen abgeleitet. Immer wieder lassen sich in den Texten Anklänge darauf finden. „From Outer Space we came“ (aus dem Weltall kommen wir) heißt es darin beispielsweise. Eugen Mondbasis, von dem die meisten Titel stammen, sagte dazu „das erlaubt uns einen Perspektivwechsel, erlaubt uns einen Abstand zu den Dingen auf der Erde, über die wir singen“. Und das sind dann durchaus irdische Themen, die bis zu traurigen Liebesliedern reichen, die sie aber in fröhliche, gut tanzbare Folk-Music packen und bis zu Betrachtungen über die moderne Arbeitswelt, in der moderne Glücksritter wie Sternschnuppen vergehen.