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Freitag, 27. Februar 2026

Jazzlounge feat. Felix Hünemöller

Die Hausband des Gesellschaftshauses Magdeburg hatte sich für ihre heutige Jazzlounge den Trompeter Felix Hünemöller als Gast eingeladen. 

Marius Moritz – Klavier
Mohi Buschendorf – Bass
Ludwig Buschendorf – Schlagzeug
Felix Hünemöller – Trompete, Flügelhorn


Die Hausband beginnt zunächst als Trio, mit einigen Jazz-Standards, mit "etwas Popmusik", wie Marius Moritz den Abend anmoderiert, lässig und unaufgeregt gespielt. Dann bitten sie den Trompeter Felix Hünemöller auf die Bühne bitten. "Einen Trompeter hatten wir in dieser Runde noch nie", sagt Marius Moritz, "und er ist nicht nur der erste Trompeter in unserer Runde, sondern mit 23 Jahren auch der jüngste Gast". Felix Hünemöller, der aus Stendal stammt, studiert aktuell an der Kölner Musikhochschule Trompete und Flügelhorn. Später sagt er noch, und da schließt sich der Kreis zu einer anderen Magdeburger Jazz-Reihe, "mein Trompetenlehrer ist im März bei Jazz in der Kammer zu Gast". Was mal wieder zeigt, wie verknüpft die Jazz-Welt ist. 

Begleitet von der Jazzlounge-Band setzt Hünemöller eigene Akzente auf Jazz-Klassiker, aber auch auf Stücke unbekannterer Komponisten. Gleich zu Beginn eine groovige Variante von "Speak Low", später auch Bebop ("Joy spring") oder zeitgenössischen Jazz. 

Samstag, 16. August 2025

Buntes Musiktheater im Kulturgut Dönkendorf

Eine quirlig bunte Reisegruppe, angeführt von einem Guide mit hochgerecktem Regenschirm, fiel in den bis dahin so ruhig und beschaulich im Abendlicht liegenden Park des Kulturgutes Dönkendorf ein. Die Gruppe von Reisenden sollte sich bald darauf als Mitglieder des Chores erweisen, der, dirigiert von Monika von Westernhagen, mehrfach im Verlauf des Abends auftreten würde und die Besucher des gar nicht so kleinen Musikfestes von Station zu Station führen sollte. Fünf Landes-Pavillons standen im Park verteilt, den Ländern Frankreich, Syrien, Italien, Iran und Schweiz zugeordnet und Künster:innen besetzt, die in Musik, Sprache und Dichtung diese Länder präsentierten. 

Cornelius Lewenberg – Bariton
Monika von Westernhagen – Mezzosopran und Chorleitung, Idee und Regie
Martina Schänzle – Klavier
Warnfried Altmann – Saxophon
Ehsan Ebrahimi – Santur
Shahram Teymoury – Setar
Verena Piwonka – Tanz
Sabine Barthelmes – Tanz
Mohamad Issa – Dichtung
Stefanie Stocker – Schauspiel
Christian Kaiser – Schauspiel
Dönkendorfer Chor
Chorgemeinschaft Wismar


Damit hatte sich Monika von Westernhagen ein Setting ausgedacht, das auch die Besucher des Musikfestes in Bewegung hielt. Kurze Acts an den Landespavillons, dann ging es schon wieder weiter, oft mit etwas Situationskomik. Nach einer ausführlichen Pause mit an die Gastländer angepasster Verpflegung ging es mit einer an Goethes westöstlichen Divan angelehnten Inszenierung mit Wort, Musik und Tanz weiter.

Freitag, 9. Mai 2025

Filmmusik im DLR-Testzentrum Cochstedt (Es entwickelt sich, das Drohnenwesen)

Das dritte Konzert der diesjährigen Ausgabe von "Klänge im Raum" führte die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie und ihre Gäste in den Flughafen Cochstedt. Heute ist dieser das Nationale Erprobungszentrum für unbemannte Luftfahrtsysteme des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt DLR. Eine Testeinrichtung für UAS, für "unmanned aircraft systems", vulgo für Drohnen. Der Standort ist so geheim, dass weder Kameras noch Handy mit rein durften.

Blick auf den Tower mit dem Signet des DLR und die dahinter
liegenden Technikgebäude des Flughafens Magdeburg-Cochstedt

Die Karten gab es aus Sicherheitsgründen nur im Vorverkauf, personengebunden unter Angabe der persönlichen Daten. Nach Ausweiskontrolle und Abgleich mit der Passagierliste durften die Gäste in den "Abflugbereich". Allerdings nur im übertragenen Sinn, denn das frühere Passagierterminal des Flughafens Magdeburg Cochstedt International gibt es nicht mehr. Stattdessen ging es hinüber in die Technikhalle, in der sonst die Flughafen-Fahrzeuge geparkt sind. Diese standen vor der Halle im Halbkreis geparkt, vom Follow-Me-Fahrzeug über die Kehrmaschine mit der Aufschrift "Kehrforce One" bis zur Flughafenfeuerwehr. 

Als das Konzert beginnen sollte, fehlte ein kleines, aber höchst wichtiges Utensil: "Wo ist mein Taktstock?", rief Dirigent Jan Michael Horstmann. Hm, der muss irgendwo auf dem Flugfeld verloren gegangen sein. Aber Hilfe kam – aus der Luft. Auf einer großen Leinwand neben dem Orchester wurde ein Video eingeblendet, darauf die Life-View-Ansicht einer Drohnenkamera, bei der der auf der Drohne liegende Taktstock ins Bild ragte. Die Drohne flog auf die Konzerthalle zu und setzte (allerdings nur virtuell) vor der Tür auf. Marlen Luther, PR-Verantwortliche des Drohnentestzentrums, konnte den Taktstock an Jan Horstmann übergeben, das Konzert konnte beginnen. 

Ein Konzert voller Filmmusik, zu Beginn mit der aus der großen Weltraum-Serie Star Trek. Völlig passend zum (Raum-)Flughafen, wo das Raumschiff musikalisch abhob. Andere Musikstücke waren die Musik zu Winnetou, aus dem Pirat der Karibik und ein James-Bond-Medley. Auch Musik aus Puccinis zumindest im Osten weitgehend unbekannter Operette "Das Mädchen aus dem Goldenen Westen" war dabei. In der DDR war der Titel wohl etwas verdächtig, missverstanden zu werden. Dafür umso bekannter: die Musik aus "Die Olsenbande sieht rot". Als reines Musikstück würden es zwar nur Kenner zuordnen können, aber als Jan Horstmann die Opernszene ansprach, bei der Egon Olsen, die Partitur von Friedrich Kuhlaus "Elverhøj" (Elfenhügel) vor sich liegend, die Bohr- und Sprengarbeiten unterhalb der dänischen Staatsoper dirigierte, wussten alle Bescheid.

Sonntag, 6. April 2025

Nyckelharpa-Trio Passerelle

Heute Nachmittag war das Nyckelharpa-Trio Passerelle mit ihrem Programm "Frühlingsgrün" im Gemeindezentrum St. Jakobi Schönebeck zu Gast: 

Jule Bauer – Gesang und Bass-Nyckelharpa
Hanna Luft-Majtkowski – Sopran-Nyckelharpa
Caterina Other – Alt- und Tenor-Nyckelharpa

Die Nyckelharpa, wegen ihrer Bedienung auch Tastenfidel genannt, dieses aus Schweden stammende und bis auf Mitte des14. Jahrhunderts zurückgehende Instrument, war lange Zeit vor allem als der nord- und mitteleuropäischen Folkmusik-Szene bekannt. Dass im Nyckelharpa-Trio gleich drei dieser recht seltenen Instrumente zu hören waren, ist schon eine Besonderheit, es dürfte nur wenige ähnliche Zusammensetzungen von Ensembles geben. 

Ihrem Trio gaben sie den Namen Passerelle nach dem in der französischen Schweiz üblichen Begriffs für eine schmale Brücke oder einen kleinen Durchgang. Denn das Brückenbauen ist auch Inhalt ihrer Programme, in denen sie unterschiedliche Musikstile und -geschichten miteinander verbinden. Oft in paarweiser Aufeinanderfolge, etwa Musik aus Mittel- und Nordeuropa, aus England und Italien, von Minnesängern und Volkslieder.

Freitag, 31. Mai 2024

20 Jahre Saitenspiel – gemeinsames Konzert der Musikschule "Béla Bartók" und der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie

Heute wurde das 20jährige Jubiläum des Orchesters "Saitenspiel" der Kreismusikschule "Béla Bartók" gefeiert. Standesgemäß mit einem Konzert, gemeinsam mit Solisten und mit der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie.

Das Orchester "Saitenspiel" und die Mitteldeutsche
Kammerphilharmonie, Leitung Dionysis Pantis.

Am Freitag wurde es voll in St. Jakobi Schönebeck: 37 Musikschülerinnen und -schüler der Kreismusikschule „Béla Bartók“ – Kinder, Jugendliche und Erwachsene – gaben gemeinsam mit der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie ein Konzert. Zuerst standen die Solisten im Vordergrund. Violine, Blockflöte, Klavier, Trompete und Gesang wurden jeweils von einer kleineren Orchesterbesetzung begleitet. Die jungen Musiker hatten sich dafür anspruchsvolle Stücke ausgesucht.

Montag, 13. Mai 2024

Konzert in Gedenken an die Zerstörung Magdeburgs im 30jährigen Krieg

„Ein wahres Elend, der verdammte Krieg!“‍ (Aristophanes)
So lautet der Titel, den das Forum Gestaltung den Gedenkkonzerten gab, mit denen es jährlich wiederkehrend an die zwei unvorstellbaren Zerstörungen von 1631 und 1945 und an das Leid der vielen Opfer erinnert.

Warnfried Altmann – Saxophon
Hermann Naehring – Schlagwerk
Johanna Mohr – Gesang
Mohamad Issa – Lyrics, Lesung
Norbert Pohlmann – Lesung, Idee und Leitung

Am Beginn des Konzertes liest Mohamad Issa Auszüge aus "Nathan der Weise", Lessings Werk über die Weltreligionen, über Humanität und Toleranz. Norbert Pohlmann ordnet das Stück historisch ein, in die fortwährende Folge von Krieg udn Frieden. "Werden wir eine lange Friedenszeit haben", fragt er und stellt fest, "wir haben es in der Hand, denn noch ist hier ein 'Nie wieder'". Und wie als Bestätigung setzt Hermann Naehrings Schlagwerk ein, mit kräftigen Trommeln, Gongs und Percussion.

Dienstag, 16. Januar 2024

39 Minuten – Nie wieder war (noch) nie

39 Minuten dauerte der nächtliche Bombenangriff, der am 16. Januar 1945 die Magdeburger Innenstadt endgültig in Schutt und Asche legte. Das Datum war seit Gründung des Forum Gestaltung Anlass für jährliche Gedenkkonzerte, immer auch im Hoffen, fürderhin keine neuen derartige Gedenktage entstehen zu sehen. Eine Illusion.

So schrieb Norbert Pohlman in der Einladung zum diesjährigen Gedenkkonzert, dass in diesem Jahr anders gestaltet wurde als in den vergangen Jahren, mit Lesung und Musik.

Musik: [hanse]Pfeyfferey mit
Alexandra Mikheeva – Renaissanceposaune
Aleksandra Maglevanaia – Viola da Gamba
Lesung:
Norbert Pohlmann
Mohammad Issa

Norbert Pohlmann stellte die beiden Musikerinnen von der Hanse-Pfeyfferey vor, die die Tradition der in vielen Städten heimischen "Stadtpfeifer" wiederbeleben, welche in der Renaissance mit ihrer Musik das Stadtleben begleiteten. "Als sich vor zwei Jahren, im Februar 2022, die Situation rund um die Ukraine zuspitzte, hatte ich die Musikerinnen eingeladen, vom Turm der Johanniskirche aus Friedenssignale auszusenden. Als wir dafür als Termin den 25. Februar vereinbarten, wussten wir noch nicht, dass dann einen Tag davor der Krieg tatsächlich beginnen würde." Für diesen Krieg kamen wir zu spät, sagte Pohlmann und beklagte "dieses ewige Zuspätkommen der Menschen", wenn es um Frieden geht. "Vielleicht tragen unsere Gedanken aber etwas dazu bei, weiter darüber nachzudenken."

Nach den ersten Musikstücken, Renaissancemusik von Komponisten wie Orlando die Lasso, für Gambe und Posaune arrangiert, begann Norbert Pohlmann, seinen Essay über das "Nie wieder" zu lesen. Über den Spruch, der ihn seit der Kindheit begleitet, sich in ihm verinnerlicht hat. "Nie wieder Krieg, hörte ich in der Schule, höre ich auch von meiner Mutter. Nie wieder Krieg, dann lieber trocken Brot." Pohlmann spricht über Bilder aktueller Kriegslandschaften, die nicht von einer KI kommen, sondern – leider – nur zu echt sind.

Freitag, 5. Januar 2024

Weihnachtsminiatorium

Heute, einen Tag vor der Ankunft der Heiligen drei Könige, klang für mich die Weihnachtszeit mit einer ganz neuen Adaption von Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium aus. Das Weihnachtsminiatorium, komponiert von Benjamin Schweitzer und im Magdeburger Gesellschaftshaus aufgeführt vom Ensemble Courage aus Dresden.

Marijke Daphne Meerwijk – Sopran
Susanne Stock – Akkordeon
Georg Wettin – Klarinetten
Matthias Lorenz – Violoncello

"Johann Sebastian Bach selbst hat seine Musik nie als etwas statisches verstanden, er hat seine Stücke immer wieder variiert, zu neuen Anlässen verwendet", sagte Matthias Lorenz zu Beginn des Konzertes, "und so haben wir es auch gemacht. Wir können ihn nicht mehr fragen, aber ich glaub, das wäre in seinem Sinn". Und auch Carsten Geerth, Leiter des Gesellschaftshauses war von der Idee gleich begeistert. "Ich hätte nie gedacht, dass ich im Schinkelsaal mal ein Weihnachtsoratorium aufführen könnte", sagte er den MusikerInnen. Denn der Schinkelsaal ist der Magdeburger Kammermusiksaal. Das Geheimnis dieser Aufführung von Bachs Weihnachtsoratorium liegt in Benjamin Schweitzers Adaption des großen Cjorwerks für ein Kammermusikensemble. Benjamin Schweitzer hat das Oratorium unter Verwendung von Bachs Musik für Sopran, Klarinetten, Akkordion und Cello neu komponiert. 

Das knapp einstündige Weihnachtsminiatorium beginnt mit einer Rezitation der Weihnachtsgeschichte, begleitet von leisen Klängen der Instrumente, die wie eine zurüchaltende Orgelbegleitung des Textes klingen. Dass die Musik trotz der völligen Neubearbeitung sehr vertraut klingt, dafür sorgt der Gesangspart – dieser ist sehr eng an Bachs Original angelegt. Bei den Instrumentalstimmen spürt man die Bachzitate, auch wenn diese selten vordergründig durchklingen.

Freitag, 3. Februar 2023

Tabu – F. W. Murnaus letzer Film (1931)

Tabu, ein in der Südsee spielender Stummfilm, der letzte Film des großen Regisseurs Friedrich Wilhelm Murnau, wurde heute mit Live-Begleitung durch die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie Schönebeck aufgeführt. Ein dramatischer Film mit einer zwar ungewöhnlichen, aber sehr stimmigen Musik. Komponiert wurde sie bereits 1988 von der rumänischen Komponistin Violeta Dinescu. 

Die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie
unter Leitung von Jan Michael Horstmann
führte Murnaus letzten Film "Tabu" auf.

Der 1930/31 gedrehte Film stammt aus der späten Zeit der Stummfilm-Ära und hat mit 81 Minuten bereits Spielfilmlänge. F. W. Murnau, vor allem durch "Nosferatu" und für seinen Einsatz von Licht und Schatten bekannt, hat auch in seinem letzten Film Momente eingebaut, bei denen schon allein vorüberstreichende Schatten für Spannung erzeugt. Auch wenn hier die Schatten und die Kontraste weicher sind, funktioniert das. Und es ist vermutlich auch der erste oder einer der ersten Filme, in denen ein Hai eine Rolle spielt. Die Wikipedialiste von Filmen mit Haien beginnt jedenfalls erst 1947. Wegen eines menschenfressenden Hais (in einer damals wohl aufsehenerregenden Unterwasseraufnahme) wird nämlich eine Meeresbucht trotz der besonders großen Perlen zum Tabu erklärt. 

Das eigentliche Tabu besteht aber für die junge Reri, die sich gerade erst in den Perlentaucher Matahi verliebt hat, aber dann vom Häuptling der Nachbarinsel als göttliche, unberührte Jungfrau gefordert wird. Matahi und Reri fliehen, werden aber wieder aufgespürt und letztlich nimmt die Geschichte ein tragisches Ende. 

Sonntag, 29. Januar 2023

Anne Frank als Oper

Das Leben von Anne Frank kam heute in einer Oper von Grigori Frid auf die Bühne. Bereits vor zwei Jahren gab es eine Aufführung, die wegen der Corona-Pandemie ohne Publikum als Livestream stattfinden musste. Heute, aus Anlass des Holocaust-Gedenktages am 27.01., wurde das Stück erneut aufgeführt. Diesmal mit Publikum.

Miriam Sabba: Anne Frank
Mitteldeutsche Kammerphilharmonie Schönebeck (Leitung Jan Michael Horstmann)
Miriam Sabba als Anne Frank
und Dirigent Jan Michael Horstmann
(Foto: LPB/Martin Hanusch)

Die Oper war eine "Monooper", mit nur einer Sängerin – und mit sehr sparsamer Bühnenausstattung: es genügten ein Holztisch, ein paar Stühle, ein Koffer, eine brennende Kerze, vielleicht das Lebenslicht, das am Ende verlischt. Der Text der Oper waren 1:1-Auszüge aus Anne Franks Tagebuch, teils gesprochen, überwiegend gesungen. Von Miriam Sabba dabei auch szenisch gespielt, die wenigen Requisiten wandelbar nutzend. 

Freitag, 11. November 2022

Multiphonics: Junge Komponisten, Orgel und Chor

"Von Spiegel-Pfeifen und Tenororgeln" war das Konzert überschrieben. Zu hören waren Werke junger Komponisten. Das Konzert in der Gertraudenkirche Magdeburg war der Auftakt von Multiphonics, den Tagen der Jungen Musik des Musikalischen Kompetenzzentrums Magdeburg.

AuditivVokal Dresden
Leitung: Olaf Katzer
Ivan Terekhanov – Orgel
AuditivVokal Dresden unter Leitung von
Olaf Katzer und Ivan Terekhanov (Orgel)

Das Konzert begann mit einer Improvisation des 19jährigen Ivan Terekhanov an der Rühlmann-Orgel der Gertraudenkirche. Mächtige Orgelklänge aus allen Registern mit einem sanften Mittelteil. Auch im Anschluss spielte die Orgel eine wichtige Rolle, als Begleitung der Sängerinnen und Sänger oder als Soloinstrument. Die Sängerinnen und Sänger wechselten dabei stets zwischen Orgelempore und Altarraum. Das lockerte die Konzertatmosphäre auf und war angesichts der niedrigen Temperaturen wohl auch zum Aufwärmen nützlich.

Das Konzert war in zweifachem Sinn ein Gastspiel. Das Ensemble kam aus Dresden – auch die jungen Komponisten, im Alter zwischen acht und achtzehn Jahren, der jüngste war persönlich anwesend, kamen überwiegend aus Sachsen und sind dort Schüler*innen der Komponistenklasse Dresden. Ihre Werke waren allesamt Uraufführungen und viele von ihnen hatten erstmals die Möglichkeit, für Kirchenorgel und Vokalensemble zu komponieren.

Montag, 31. Oktober 2022

Orgel, Drums & Light

Am Reformationstag gab es in St. Johannis in Bad Salzelmen ein besonderes Konzert, in einer gelungenen Verbindung vom Spiel der Instrumente mit vielfarbigen Lichteffekten. 

Carsten Miseler – Orgel
Julius Jung – Violine, Piano
Stephan Miseler – Cello
Vincent Thormann – Schlagzeug, Perkussion
Jürgen Groth – Lesung 
Jacob Miseler – Lichteffekte
Norman Staude – Ton und Medien
Carsten Miseler begrüßt die Konzertbesucher
in der bis zum letzten Platz vollen
St.-Johannis-Kirche, bevor er sich
auf der Empore an die Orgel setzte.

Die Ankündigung des Konzertes muss sich herumgesprochen haben, denn schon weit vor Konzertbeginn kamen die ersten Besucher, und sie kamen so zahlreich, dass am Ende auch die Sitzplätze an den Seiten der Kirche besetzt waren und noch zusätzliche Stühle herangeholt wurden."Es gibt übrigens keine schlechten Plätze", rief Carsten Miseler den Besuchern zu, "die Musik ist von überall hörbar und auch zu sehen gibt es in der ganzen Kirche etwas". Für das gute Sehen sorgte unter anderem ein großer Fernseher vor dem Altar und ein Technik-Team, das dort die Musiker mit Kameras nahe heranholte. Auch Carsten Miseler und Vincent Thormann, die sonst oben auf der Orgelempore unsichtbar geblieben wären.

In der Kirche schien es, als wäre ein wenig von dem Herbstnebel hereingeschwappt, der Bad Salzelmen und Schönebeck einhüllte. Nur waren es drinnen Spuren vom Bühnennebel, der die Strahlen der Lichttechnik besser sichtbar machte. Die bei Landschaftsfotografen so beliebte "Blaue Stunde" schien es nun drinnen zu geben, eine geheimnisvolle, Erwartungen weckende Lichtstimmung. 

Samstag, 29. Oktober 2022

Sinuston: Silver Apples of the Moon

"Silver Apples of the Moon" von Morton Subotnick inspirierte Stefan Schultze für seine Kompositionen, die er für sein Large Ensemble erstellte und mit "A handcrafted tribute to Morton Subotnick" bezeichnete.

Stefan Schultze – Klavier, Komposition
Almut Kühne – Gesang
Leonhard Huhn – Altsaxophon
Peter Ehwald – Tenorsaxophon
Magnus Schriefl – Trompete
Elena Kakaliagou – Horn
Roland Neffe – Marimba
Els Vandeweyer – Vibraphon
Peter Meyer – E-Gitarre
Felix Henkelhausen – Kontrabass
Moritz Baumgärtner – Schlagzeug

Stefan Schultze vollzieht gemeinsam mit seinem Large Ensemble, einer Gemeinschaft von allesamt großartigen Musikern aus der Jazz-Szene, eine stimmgewaltige und bis auf die E-Gitarre rein akustisch vollzogene Remineszenz an das rein elektronisch entstandene Werk "Silver Apples of the Moon". Eine interessante Hörerfahrung ergab sich gleich zu Beginn: aus dem vorangegangenen Vortrag von Morton Subotnick waren noch einige Synthesizer-Klänge im Ohr und das elektronische Klanggefühl war noch präsent. Und plötzlich hörte man diese Klänge, aber auf akustischen Instrumenten gespielt. Tripsody nannte Stefan Schultze sein erstes Stück, und verstand es wie überhaupt das ganze Konzert als Kommentar zur Musik von Morton Subotnick. "Es sollte nicht einfach eine Adaption werden", sagte Schultze, "wir wollten mit unserer eigenen Sprache etwas daraus machen". 

Freitag, 28. Oktober 2022

Sinuston: Kaleidoskop der Räume

Heute stand bei Sinuston, den Magdeburger Tagen der elektroakustischen Musik, eine Klanginstallation auf dem Programm, die sich mit Werken von Heinrich Schütz beschäftigte. Eine interessante Verbindung von klassischer und neuer Musik.

Fabian Russ – Konzertinstallation

Das Konzert fand statt im Schinkelsaal, in dem sonst klassische Konzerte und - mit der Telemann-Sonntagsmusik - Alte Musik aufgeführt werden. Die Verbindung passte also. Nur war das Ambiente ein völlig anderes. Statt Stuhlreihen standen einige Stühle im Kreis, Sitzkissen lagen auf dem Boden und  violettes und blaues Licht bildete eine mystische Atmosphäre. 

Acht Lautsprecher standen im Kreis und erzeugte so nicht nur einen quadrophonischen Sound, wie er lange schon Standard im Fernseh-Ton ist, sondern einen oktaphonischen. Tatsächlich wurde der Ton aus acht separaten Tonsspuren gespeist, wie der Tontechniker erklärte. So wurden akustische Effekte möglich, die so etwas wie einen erweiterten Raumklang erzeugten und sich Tonquellen im Kreis bewegten.

Sonntag, 11. September 2022

Gitarrenfestival: WENET – Werner Neuman Electric Trio

Zum Abschluss des 5. Internationalen Gitarrenfestivals spielte WENET, das Werner Neuman Electric Trio. Mit einer Mischung aus Jazz, Rock und Fusion.

Werner Neumann – Gitarre
Steffen Griesinger – Orgel
Tom Friedrich – Schlagzeug

Die Band spielt durchaus kräftig und rockig und doch haben viele der Titel eine Eigenart, die schon ein eigenes Bild abgibt: am Anfang sind viele der Stücke für eine solch kräftige Besetzung unerwartet leise – um dann um so unverhoffter laut loszulegen. "Für mich ist auch die Dynamik etwas sehr wichtiges", sagt Werner Neumann nach dem Konzert über diese Art zu spielen. Manchmal versuche ich, die E-Gitarre so runterzudrehen, dass man nur noch die akustischen Töne wahrnimmt. Das Publikum muss so etwas auch mitmachen – das in Magdeburg war jedenfalls ein sehr aufmerksames. 

Die Band lieferte eine interessante und wohl abgestimmte Mischung aus E-Gitarre und E-Orgel, zwei Instrumenten, die in ihren elektronisch bzw. elektroakustisch erzeugten Tönen durchaus Ähnlichkeiten, aber auch große Unterschiede haben. In ihrer Musik ist die Band genreübergreifend. Da kann es auch mal etwas lateinamerikanisches sein, wie in to tango. Eine solche Vielfalt macht eine Beschreibung mit wenigen Worten schwierig. Man möchte so etwas immer gern für die erste Sätze haben. Als ich Werner Neumann nach dem Konzert danach fragte, ob ich mit den oben genannten Begriffen "Jazz, Rock und Fusion" richtig läge, winkte er ab und meinte "eigentlich noch viel mehr".

Gitarrenfestival: Kreisberg meets Veras

Am Sonntag ging im Forum Gestaltung das 5. Gitarrenfestival Magdeburg zu Ende. Im ersten Set des Abschlusskonzertes gab es brasilianisch-jazzige Klänge von zwei Gitarristen: 

Jonathan Kreisberg – Gitarre
Nelson Veras – Gitarre

Als Stephan Bormann die beiden Musiker ankündigt, sagte er "Auf Gitarrenfestivals ist eher die akustische Gitarre weiter verbreitet. Deshalb haben wir gedacht, wie legen den Schwerpunkt mal auf die elektrische Gitarre. Jetzt haben wir aber mal eine Mischung aus beiden". 

Zu hören sind lässige lateinamerikanische Rhythmen, die leicht und hochkonzentriert zugleich rüberkommen. In ein Solo auf Nelson Veras akustischer Gitarre stimmt Jonathan Kreisberg mit seinen elektronischen Klängen ein, später geschieht das umgekehrt. Immer aber spielen beide virtuos und voller Spielfreude. 

Freitag, 9. September 2022

Gitarrenfestival: Songland-Trio

Im zweiten Set des Singer-Songwriter-Abends beim Gitarrenfestival Magdeburg stand dessen künstlerischer Leiter, der Gitarrist Stephan Bormann, selbst auf der Bühne und hatte sich zwei weitere Musiker mitgebracht. "Auf einem Gitarrenfestival kann ja auch mal Musik abseits der Solo-Gitarre zu hören sein", sagte er zur Begrüßung. 

Sarah Lipfert – Gesang
Stephan Bormann – Gitarren
Christoph Reuter – Klavier

Songland-Trio: Stephan Bormann,
Sarah Lipfert und Christoph Reuter (von links)

Am Beginn stand aber erst mal das Duo aus Stephan Bormann und Christoph Reuter, mit einem sehr funkigen Instrumental. Zwei Musiker voller lebendiger Spielfreude waren da zu hören. 

Anschließend vervollständigte Sarah Lipfert das Trio. Lieder irgendwo zwischen Pop und Soul, so wie These are my days, aber auch solche mit eigenen, nachdenklichen Texten. Sarah Lipfert spricht über den Krieg und singt ein Lied in dem es heißt "Da wo wir in Frieden lebten / Kinder durch die Straßen fegten / Alles kam anders ....". Dazu langezogene E-Gitarrentöne von Stephan Bormann, mit musikalischen Zitaten aus Pink Floyds Shine on your crazy diamond.  

Musikalisch ganz anders dann "Auf den Flügeln des Gesangs", eine in modernem Sound interpretierte Reminiszens an die Zeit der Romantik – mit einem Lied von Mendelssohn-Bartholdy und Text von Heinrich Heine. Welch wandelbare Musik.

Gitarrenfestival: Emily Elbert

Der "Singer-Songwriter-Abend" des Gitarrenfestivals Magdeburg wurde von Emily Elbert eröffnet. Die 33jährige Sängerin aus Los Angeles begeisterte das Magdeburger Publikum mit ihrer herzlichen Art und ihrer natürlichen Stimme, begleitet von der akustischen Gitarre.

"Ich lebe in L. A., aber ich komme aus Texas", stellte sie sich dem Publikum vor. "Eine komplizierte Gegend, aber mit einer wunderbaren musikalischen Geschichte: Country, Blues Soul, ... ". Und all das hatte auch in ihrer Musik Spuren hinterlassen, in einer wohltuenden Mischung. Ihre Songs trug sie mit einer warmen Stimme vor, begleitet von akustischer Gitarre und E-Gitarre. 

Donnerstag, 8. September 2022

Gitarrenfestival: Nu:n

Am Eröffnungstag des Magdeburger Gitarrenfestes ging es im zweiten Set weit zurück in die Musikgeschichte: Das Ensemble Nu:n spielte ihre ganz speziellen Interpretationen von Estampies, alten französischen Tänzen.

Falk Zenker – Gitarre
Nora Thiele – Percussion
Gert Anklam – Saxophon

„Die Estampies Royales sind alte Tanzlieder und stammen aus dem 13. Jahrhundert, aus der Zeit der Troubadoure“, sagte Falk Zenker, „Es ist ein Wunder, dass diese alten Melodien bis in unsere Zeit überdauert haben. Und dass sie wiederentdeckt wurden. Sie sind auf den alten Notenblättern nur ganz einfach notiert, ohne Begleitung. Wir haben dafür unsere eigene Begleitung gefunden, bei jedem Stück etwas anders.“

Gitarrenfestival: Pavel Steidl

Der tschechische Gitarrist Pavel Steidl eröffnete das Gitarrenfestival. Mit ihm hatten die Organisatoren einen Meister der Barockgitarre eingeladen.


Pavel Steidl beginnt mit Stücken der Alten Musik, von Komponisten wie Jan Antonio Lossy oder Daniel Spohr. In der Barockzeit für Laute geschrieben und nur noch einem Fachpublium bekannt, aber Steidl erweckt sie zum Leben. Er spielt die Stücke mit einem hohem Maß an persönlichem Ausdruck, begleitet die Stücke mit leisem Gesang, eher ein Mitsummen der Melodiestimme, und formt die ausklingenden Töne der Gitarre mit seinen Händen. Ihn zu hören ist wunderbar, aber ihn live spielen zu sehen noch viel schöner. Übrigens einer der großen Vorteile von Livemusik gegenüber Funk und Fernsehen - probiert das mal selbst wieder aus!

Sein Programm moderiert er überwiegend auf englisch. Einmal wechselt er ins deutsche, vielleicht weil das Zitat von einem deutschen Musiker stammt, von Daniel Spohr, der sagte, es gibt in der Musik den „richtigen Vortrag“ und den „schönen Vortrag“. Nach dem Konzert sagt er im Gespräch: „Man kann die Stücke nach den Noten spielen, man kann aber auch seine eigenen Empfindungen hineinlegen. Im besten Fall kommen in der Musik die DNA des Komponisten und die DNA des Interpreten zusammen.“ Ich bin mir ganz sicher: Pavel Steidel ist von der zweiten Art. Seine Barockstücke stammen von Musikern mit Bezug zu Prag, aber was spielte das in dieser Zeit für eine Rolle - die gesamte Gegend war ein gemeinsamer Kulturraum. Und dennoch sieht er einen typisch tschechischen Einfluss: “this music is so Prague“, sagt er.