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Freitag, 3. Februar 2023

Tabu – F. W. Murnaus letzer Film (1931)

Tabu, ein in der Südsee spielender Stummfilm, der letzte Film des großen Regisseurs Friedrich Wilhelm Murnau, wurde heute mit Live-Begleitung durch die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie Schönebeck aufgeführt. Ein dramatischer Film mit einer zwar ungewöhnlichen, aber sehr stimmigen Musik. Komponiert wurde sie bereits 1988 von der rumänischen Komponistin Violeta Dinescu. 

Die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie
unter Leitung von Jan Michael Horstmann
führte Murnaus letzten Film "Tabu" auf.

Der 1930/31 gedrehte Film stammt aus der späten Zeit der Stummfilm-Ära und hat mit 81 Minuten bereits Spielfilmlänge. F. W. Murnau, vor allem durch "Nosferatu" und für seinen Einsatz von Licht und Schatten bekannt, hat auch in seinem letzten Film Momente eingebaut, bei denen schon allein vorüberstreichende Schatten für Spannung erzeugt. Auch wenn hier die Schatten und die Kontraste weicher sind, funktioniert das. Und es ist vermutlich auch der erste oder einer der ersten Filme, in denen ein Hai eine Rolle spielt. Die Wikipedialiste von Filmen mit Haien beginnt jedenfalls erst 1947. Wegen eines menschenfressenden Hais (in einer damals wohl aufsehenerregenden Unterwasseraufnahme) wird nämlich eine Meeresbucht trotz der besonders großen Perlen zum Tabu erklärt. 

Das eigentliche Tabu besteht aber für die junge Reri, die sich gerade erst in den Perlentaucher Matahi verliebt hat, aber dann vom Häuptling der Nachbarinsel als göttliche, unberührte Jungfrau gefordert wird. Matahi und Reri fliehen, werden aber wieder aufgespürt und letztlich nimmt die Geschichte ein tragisches Ende. 

Mittwoch, 6. Juli 2022

Uta (Film)

Ein Film über die Sängerin, Liedermacherin und Malerin Uta Pilling. Und eigentlich auch über den Liedermacher Jens Paul Wollenberg, mit dem sie seit 1990 bis zu ihrem Tod im Jahr 2020 zusammenlebte. Beides Originale aus der Leipziger Kulturszene, und dies im besten Sinne, im Sinne von originell und unangepasst, beide gleichermaßen. „Wir sind aneinander gebunden“, sagt sie im Film über ihre nicht immer einfache, aber immer liebevolle Beziehung. (Webseite zum Film)


Der Film von Mario Schneider ist nahezu vollständig in schwarzweiß gedreht, einzig die eingeblendeten Schnipsel von privaten Video-Aufnahmen sind in Farbe und auch Uta Pillings 70. Geburtstag, der zu Begiun und Ende den Film einrahmt. 
 
Der Film strahlt insgesamt eine große Ruhe aus, etwa wenn er Uta zeigt sie, wie sie im kalten Wasser eines Leipziger. Sees badet, vorher Atemübungen macht, die der Szene einen eigenen Rhythmus geben. Oder wie sie mit klammen Fingern in der leipziger Fußgängerzone ihr Knopfakkordeon spielt und dazu singt. Nein, keine Wohlfühl-Lieder, sondern Texte über die „in Wohlstandsmüll gehüllten“. Während sie selbst fast nichts hat, aber auch nichts braucht. „Wir haben nichts was Geld kostet“, sagt sie über sich undJens-Paul Wollenberg, „wir haben nicht mal einen Computer“. Die am Ende ihres Lebens fast blinde Musikerin sagt: „mir reicht es, wenn ich mit der Lupe meine Texte schreiben und lesen kann“- 

„Was ist schon die Zeit, gegen Dich, gegen mich...“ singt sie, und der Film schält in langen Gesprächspassagen, vor allem mit ihrer Schwester, allmählich Stationen ihres Lebens heraus. Ein Leben, das von Geburt an („ich wurde bereits im Mutterleib für tot erklärt, lebte dann doch, zeigte aber erst mit etwa 9 Monaten erste Lebenszeichen“) schwer war, mit Missbrauch durch den Vater und vielen tragischen Ereignissen, bei denen sie aber nie den Mut verlor und vor allem nie die Güte ihren Mitmenschen gegenüber - und ihren Kindern, bei denen es nicht drauf ankam, von welchen Vätern sie stammten. Da ist nie etwas von Bitterkeit zu spüren, sondern immer eine unerschütterliche Liebe zum Leben. 

„Ich wollte nie ein blinder Sänger sein, / und auch keine blinde Sängerin, /und trotzdem schrei ich es aus mir heraus...“ heißt es in einem weiteren Liedtext. Und so zeigt der Film eine Sängerin, die sich nie unterkriegen lielß. Und erzählt am Beispiel ihrer Person auch die Geschichte einer ganzen Epoche. Ein berührender Film, der nie ins sentimentale verfällt, sondern die Zuschauer gestärkt zurücklässt.

Samstag, 22. Januar 2022

Circus und Regen – ein Stummfilmprojekt

Film und Musik zusammenbringen – das ist Ziel einer neuen Reihe, die das Gesellschaftshaus heute gemeinsam mit dem Moritzhof Magdeburg startete. Jeweils ein Konzert im Gesellschaftshaus wird mit einem dazu passenden (Dokumentar-)Film im Moritzhof kombiniert. Den Auftakt machte ein Konzert, bei dem Live-Musik und Film naturgemäß am dichtesten zusammenkommen: Das Kammerensemble Neue Musik Berlin begleitete im Gartensaal des Gesellschaftshauses zwei Stummfilme.

Rebecca Lenton – Flöte
Miguel Pérez Iñesta – Klarinette
Hanno Koloska – Fagott
Justine Eckhaut – Klavier
Theodor Flindell – Violine
Simon Beyer – Violine
Kirstin Maria Pientka – Viola
Cosima Gerhardt – Violoncello
Andre Bartetzki – Videotechnik

Den Auftakt machte der Stummfilm "Regen" von Joris Ivens (NL), den es aber zunächst ohne Musikbegleitung gab. "So können Sie die Ästhetik des Films erstmal pur auf sich wirken lassen", merkte Carsten Geerth vom Gesellschaftshaus an. Das Gesellschaftshaus hatte extra für dieses Konzert einen besonders leisen Beamer ausgeliehen (der Film kam von der Festplatte), so war es völlig still im Saal. Mich erinnerte das ein wenig an die Schmalfilme, in denen – gleichfalls stumm – früher unser Familienleben festgehalten und angeschaut wurde. Nur fehlte mir das leise Rattern des Projektors, dieses hörbare Zeichen der zuverlässig arbeitenden alten Technik.

Anschließend gab es Musik, die gar nicht für diesen Film komponiert wurde, die aber (wenn ein "was wäre wenn" der Sinn des Experiments war) vom Spannungsbogen her auch hätte passen können. Das Kammerensemble Neue Musik führte die Musik auf, die Hanns Eisler für Charlie Chaplins Film "The Circus" geschrieben hatte. 

Als dritter Programmpunkt wurde nun der Film "Regen" mit der Musik aufgeführt, die Hanns Eisler unter dem Titel "14 Arten den Regen zu beschreiben" für Joris Ivens' Film komponierte. Auf die Musik (und den Film) wurde ich erstmals aufmerksam, als bei den Magdeburger Jazztagen 2017 Stephan König und sein LeipJAZZig Orchester ein Hanns-Eisler-Programm aufführten. Stephan König hatte sich unter anderem von Eislers "14 Arten" zu seiner Bigband-Adaption „7 Arten den Regen zu beschreiben“ inspirieren lassen. Heute gab es also die Original-Filmmusik, die den sich am Horizont anzeichnenden Regen, den aufkommenden Wind, den Regen, die hastigen Bewegungen der Passanten und den Straßenverkehr bis zum Ende des Regens begleitete. Im abgedunkelten Saal und vor der Leinwand sitzend. Für die Kinobesucher zugleich auch ein Versionsvergleich mit und ohne Ton, die wichtige Bedeutung der Musik für den Film demonstrierend.

Donnerstag, 28. Oktober 2021

Sinuston-Festival: Trioglyzerin – Die Abenteuer des Prinzen Achmed

Stummfilm neu interpretiert: Trioglyzerin fügt dem 95 Jahre alten Film "Die Abenteuer des Prinzen Achmed" eine neue Begleitmusik hinzu, mit akustischen und elektronischen Instrumenten.

Ulrich van der Schoor – Synthesizer, Klavier
Kristoff Becker – Violoncello
Tobias Becker – Oboe

Carsten Geerth, Leiter des Gesellschaftshauses Magdeburg, eröffnete die Magdeburger Tage der Elektroakustischen Musik, wie das "Sinuston"-Festival mit vollständigem Titel lautet. Zum 11. Mal finden die Konzerte der (überwiegend) elektronischen Musik nun schon statt. Seit 2008, zunächst alle zwei Jahre, ab 2012 jährlich – nur im vergangenen Jahr nicht, wie so vieles in der Pandemiezeit. "Ich freue mich sehr, dass die Konzerte wieder live stattfinden können", sagte Carsten Geerth dem Publikum. Dieses war zahlreich ins Magdeburger Oli-Kino gekommen. 

Am Auftakt des Festivals stand Filmmusik. Wobei dieser Begriff nur eine Kurzfassung darstellt und es auch nicht ganz trifft, denn Film und Musik, jedes davon war schon für sich bemerkenswert. Der Film: ein Stummfilm, ein Trickfilm. Der erste abendfüllende Trickfilm, ein Silhouettenfilm von Lotte Reiniger aus dem Jahr 1926.

In seiner Scherenschnitttechnik (die Silhouetten wurden von Lotte Reiniger tatsächlich als Scherenschnitt gefertigt und dann Bild für Bild animiert) wirkt der Film wie ein balinesisches Schattenspiel (nur dass die Gamelanmusik fehlt). Der Film wirkt wie ein Märchen aus tausendundeiner Nacht, von exotischen Geschichten und Märchen inspiriert. Lotte Reiniger verknüpft Figuren und Legenden aus aller Welt, vor allem aber aus der exotischen Welt zu einer spannenden und zauberhaften Märchengeschichte, mit Liebe, Kampf und Zauberei. Der afrikanische Zauberer (dessen Hände an Nosferatu erinnern), der Arabische Prinz, Aladin und seine Wunderlampe, eine Hexe und der Kaiser von China treffen in ein und derselben Geschichte aufeinander.

Sonntag, 20. Oktober 2019

Die Genialität des Augenblicks

Der Film "Die Genialität des Augenblicks" über Günter Rössler erinnert an das Schaffen des Fotografen , der den meisten (Ost)Deutschen durch seine Aktfotos im Magazin bekannt ist. Heute nachmittag lief der Film im Studiokino Magdeburg.


Einige seiner Fotomodelle kommen im Film zu Wort, berichten über Rössler und seine Art zu fotografieren, über die Vertrautheit als wesentliche Voraussetzung der entstehenden Fotos, über die Rolle der Fotos für sie persönlich. Aber auch Aufnahmeorte und -bedingungen aus der Zeit vor 1990 wurden sichtbar, befreundete Künstler kamen zu Wort. Der Mensch hinter den Fotografien, oder besser: der Mensch hinter der Kamera, wurde sichtbar.

Freitag, 19. Juli 2019

Liev alleen

Im Film "Liev alleen" gibt der Berliner Schriftsteller Peter Wawerzinek filmische Einblicke in das Leben eines Kindes, das das Glück hatte, in einem DDR-Kinderheim aufzuwachsen – statt in einer psychatrischen Anstalt, wie seine ein Jahr jüngere Schwester, die von ihm getrennt wurde, nachdem ihre Eltern 1957 in den Westen abgehauen waren und ihre beiden 2- und 3-jährigen Kinder zurückließen.


Der Film, den Wawerzinek gemeinsam mit Steffen Sebastian drehte, orientiert sich an dem, was Wawerzinek bereits 2010 in seinem Roman "Rabenliebe" beschrieb. Er ist aber kein Film zum Buch, sondern eine filmische Interpretation und zugleich eine Spurensuche, ein Blick auf die Orte der Kindheit ebenso der Versuch einer Beschreibung. Wawerzink spielt darin auch als Kind sich selbst, mit Lederhose und kariertem Hemd steht er da und sinnt seiner Kindheit nach. Wenn die Personen des autobiografischen Films nicht vor der Kamera stehen wollen oder können, dann werden sie verfremdet gespielt. Die Mutter Wawerzineks, nach der er sein halbes Leben lang suchte, wird durch einen Mann in Frauenkleidern dargestellt, mit dem Fluchtkoffer in der Hand und keine Ruhe findend.

Sonntag, 21. April 2019

Christo – Walking on Water

Gestern im Kino im Moritzhof Magdeburg Christo – Walking on Water gesehen.



Ich war vom Film begeistert. Sicher auch deshalb, weil ich selbst dort war (mein Rückblick hier im Blog). Aber auch weil das ein wunderbarer Film über diesen Künstler und seine Arbeit ist. Der Film nimmt den Zuschauer mit in die letzten Monate, Wochen und Tage vor Fertigstellung des Projektes und die 16 Tage der bestehenden Installation. Der Film zeigt Christo und Jeanne Claudes seit 36 Jahren andauernde Arbeit an diesem Projekt und dessen Vorgängern, zeigt Christos Begeisterung ebenso wie seine Wut über nicht funktionierende Technik, die Ungeduld gegenüber italienischer Bürokratie und das geduldige Agieren seines Projektleiters Vladimir Yavachev. Es wurde auch deutlich, wieviele Unwägbarkeiten noch in den letzten Tagen und Stunden das Wetter bot.

Und es war zu erahnen, welches Glück wir hatten, zur richtigen Zeit nach Italien gefahren zu sein. Denn in den ersten Tagen waren viermal so viele Besucher wie vorgesehen auf den Stegen – ein riesiges Gedränge auf den Stegen, das beinahe zum Abbruch des Projektes geführt hätte. Wir hatten dann zwar vier Stunden Wartezeit zu überbrücken, konnten dann aber das Gehen auf dem Wasser genießen! Ein herrliches (und unwiederbringliches) Erlebnis!

Ein sehenswerter Film, auch für die, die nicht dort in Italien waren, die sich aber allgemein für Christos Projekte interessieren.

Freitag, 8. Juni 2018

Stummfilmkino in Pechau

Schon zum zehnten Mal hatten Claudia und Carsten Kriegenburg das Wanderkino zur Stummfilmnacht nach Pechau eingeladen:
Tobias Rank – Piano
Gunthard Stephan – Geige

In ihrem fast 50 Jahre alten Magirus-Deutz-Feuerwehr-Oldtimer fahren die beiden Musiker jeden Sommer quer durch Deutschland, auch Nachbarländer im Süden und Norden bis jenseits der Ostsee stehen regelmäßig auf dem Tourplan.  Nach Pechau brachten sie diesmal einige Kurzfilme von Larry Sermon (u.a. The Hunter, The Sportsmen) und Charly Chaplin (Kid's Car Race in Venice) mit und einen längeren Film von Buster Keaton (Seven Chances).

Normalerweise findet die Stummfilmnacht auf der Wiese des Umflutkanals statt, mit dem Deich als erhöhte Sitzgelegenheit. Der Deich ist zur Zeit Baustelle, deshalb zog das Kino auf eine Wiese am Pechauer See, unterhalb der Kirche um, in eine ebenfalls wunderbare Naturkulisse. Carsten Kriegenburg freute sich, daß auch an den Ausweichstandort so viele Besucher kamen. "Kino hatten wir hier ja auch schon gezeigt", sagte er, "für den Stummfilm ist es eine Premiere". Er wies auf das zehnjährige Jubiläum der Stummfilmnacht in Pechau ebenso hin wie darauf, daß Tobias Rank und Gunthard Stephan seit inzwischen 19 Jahren mit ihrem Stummfilmkino unterwegs sind. Und blickte damit schon auf 2019 voraus: "Im nächsten Jahr können wir dann die 'Schnapszahl' 11 Jahre Stummfilmkino in Pechau und das 20. Jubiläum des 'Wanderkinos' feiern". Auch über "sein" Pechauer Publikum freute er sich: "es bleibt kein Müll auf der Wiese und es fehlt fast kein Weinglas, und wenn doch, dann steht es am nächsten Morgen vor meiner Haustür, mít einer Spende für das Kino darin". Apropos Spende: die Kinonacht wurde auch in diesem Jahr mit freiem Eintritt durchgeführt und über freiwillige Spenden (eine Spendenbüchse – die auch benutzt wurde – stand am Weintresen) finanziert. Dort gab es nicht nur Getränke – viele Pechauer Familien hatten Pizzas gebacken und mitgebracht. Andere hatten im Vorfeld beim Aufbau (und tags drauf dann beim Abbau) geholfen, gekühlte Getränke herangeholt oder halfen bei der Versorgung der Besucher mit Speisen und Getränken. 

Freitag, 26. Mai 2017

Wanderkino – Stummfilm in Pechau

Heute abend kurz nach Sonnenuntergang hieß es wieder "Film ab!" am Pechauer Deich. Und auch "Musik bitte!", denn das Wanderkino zeigte Stummfilme, und diese wie immer mit Livebegleitung. Die Musiker des Wanderkinos sind:
Tobias Rank – Piano
Gunthard Stephan  – Geige

Auf dem Programm standen diesmal:
  • Die Kleinen Strolche – Das Affengeschäft (1926)
  • In der Tiefe (1907) von Ferdinand Zecca
  • Der Abenteurer (1917) von und mit Charlie Chaplin
  • Nur nicht schwach werden (1921) mit Harald Lloyd 
Bereits zum  neunten Mal kamen die beiden Filmmusiker mit ihrem alten Feuerwehrauto nach Pechau, um ihre Filme auf den Wiesen des Umflutkanals zu zeigen (einige male auch mit der Regen-Notfall-Variante in der Scheune des Bauern).

Die Zuschauer hatten ihren Spaß an den lustigen Filmen. Einer der Filme, der in einer Unterwasserwelt spielende "In der Tiefe", war eher ein Experimentalfilm aus der Zeit, da die Bilder nicht nur "das Laufen lernten", sondern die Regisseure, Schauspieler, Kameraleute und Schnittmeister auch mit den Möglichkeiten des neuen Mediums experimentierten. Aus heutiger Sicht wirkte das Ergebnis etwas erheiternd, wenn etwa Haie oder andere Meeresbewohner wie aus Papier ausgeschnitten wirkten.

Ansonsten begeisterte die Situationskomik der Kleinen Strolche ebenso wie die subversiv anarchistische Rolle von Charlie Chaplin, der sich als aus dem Gefängnis entlaufener Abenteurer durchs Leben und mit den Obrigkeiten und Honoratioren schlägt und der Polizei immer wieder entkommt. Auch bei Harold Loyd mischt sich Gesellschaftskritik mit sehr viel Situationskomik – und mit dem schaudernden Blick in die Tiefe, herab von der Baustelle eines Hochhauses.

Und, selbstverständlich, auch die Musik von Tobias Rank und Gunthard Stephan begeisterte und machte auf faszinierende Art begreifbar, wie Filme zur Stummfilmzeit wirkten (und welches Kulturgut sie heute noch darstellen). Mit ihrer improvisierten Musik verstärkten sie die Handlung der Filme, deren Geschehen ansonsten allenfalls durch kurze Zwischentexte erläutert wurde. Mit der Dynamik ihres Spiels setzten sie Akzente, unterstrichen besonders dramatische oder lustige Stellen.

Freitag, 8. Juli 2016

Wo Worte nicht hinreichen (der TFF-Film)

Am Freitag vormittag schaute ich mir im Rudolstädter Kino Cineplex den Film "Wo Worte nicht hinreichen" der Berliner Regisseurin Josephine Link in einer Preview-Vorstellung an. Der Film entstand während des TFF 2015 und wurde nach Angaben der Ostthüringer Zeitung über ein Crowdfunding-Projekt finanziert.

Der Film vereint drei Erzählebenen – die Anreise von Künstlern zum Festival, die Arbeit der Festivalleitung und die Sicht von Besuchern – und gestaltet aus den persönlichen Geschichten der Protagonisten ein lebendiges Bild des Festivals. Für die, die selbst schon Festivalbesucher waren, ist der Film ein wunderbarer Rückblick (auch aus den Reaktionen der Kinobesucher war das zu entnehmen) und für die, die vom TFF bisher nur mal gehört haben, ist es vielleicht ein Anreiz, selbst mal hinzufahren.

Noch ist nicht bekannt, wo und wann der Film laufen wird. Aber wenn er demnächst irgendwann in einem Programmkino läuft: unbedingt hingehen!

Hier ist der Trailer auf Youtube:



In höherer Auflösung gibt es den Trailer bei Vimeo: https://vimeo.com/173016244.

Samstag, 11. Juni 2016

Wanderkino – Stummfilm in Pechau

Schon zum siebten Mal kam das Wanderkino nach Pechau, um Stummfilme mit Livebegleitung aufzuführen.
Tobias Rank – Piano
Gunthard Stephan  – Geige
Die beiden Musiker touren in Ihrem Feuerwehr-Oldtimer (einem 50 Jahre alten Magirus Deutz mit 10 Liter Hubraum und 150 PS) in jedem Sommer quer durch Deutschland, in diesem Jahr stehen auch Schweden und Weißrußland auf dem Tourplan.


Die Filme zeigen sie nach alter Landfiilmtradition open Air. In Pechau mußte in den vergangenen Jahren aber auch schon einigemal auf eine Scheune des Landwirts ausgweichen werde – der Landregen machte dem Landkino einen Strich durch die Rechnung. Aber in diesem Jahr war alles perfekt, es hatte schon fast zwei Wochen nicht geregnet, die Wiese war trocken und wurde sogar extra für die Kinovorführung gemäht. Das Wetter war warm, so daß keiner frieren mußte (ok, eine Decke gegen die Abendkühle ist immer eine gute Empfehlung) und es gab keine Mücken. So konnte also das Feuerwehrauto, der "Laster der Nacht", im Umflutkanal stehen und die Besucher auf den Bierbänken oder im Rang – auf dem Deich sitzend – Platz nehmen. Für die Lichtstimmung sorgten zahlreiche auf der Wiese stehende Kerzen und ein paar Feuerkörbe.

Sonntag, 12. Juli 2015

Stummfilm in Pechau

Es war mal wieder so weit:das Wanderkino kam nach Pechau:
Tobias Rank – Piano
Gunthard Stephan  – Geige

Die Filmmusiker hatten wieder einige kürzere und längere Stummfilme mitgebracht, die sie live begleiteten:


Eine Rarität war der Experimentalfilm "Vormittagsspuk" von Hans Richter, der darin sehr wild mit Trickeffekten spielt. Daneben aber auch das, was man im Allgemeinen beim Wort Stummfilm erwartet: kurze Schwarzweißfilme voller Situationskomik.

Dienstag, 12. August 2014

Die Kunst der Pause

Grad hörte ich im Deutschlandfunk den Bericht über das Davos Festival Young Artists in Concert, da kam mir die im Hintergrund eingespielte Musik bekannt vor. Ist das nicht die aus dem Film Ku! Kin-dza-dza? Im Programm des Festivals nachgeschaut – Giya Kancheli: A little Daneliade für Violine, Klavier, Streicher und Schlagzeug (Das paßt. Georgi Danelija ist der Regisseur des Films). Im Rundfunkbericht ging es unter anderem um die Kunst der Pause – "Halt auf Verlangen" war auch Thema des Eröffnungsabends. Und hört man die Musik, dann weiß man auch, was Kunst der Pause bedeutet. 

Auf Youtube gibt es eine Aufnahme mit Gideon Kremer:


So richtig über den Spaß der Musik kann man aber erst dann lachen, wenn man den Film (den es anscheinend nach wie vor leider nur auf russisch gibt) bereits gesehen hat. Was auf mich zutrifft – und so habe ich mich jedenfalls sehr amüsiert. Ku!

(p.s. zum Interpretationsvergleich: bei youtu.be/OXIOSZ27sn8 gibt es eine weitere Aufnahme, zwei Minuten kürzer und damit viel schwungvoller – aber mir gefällt die von Gideon Kremer ein wenig besser)


Samstag, 10. Mai 2014

Stummfilm in Pechau

Schon zum sechsten mal veranstalteten Claudia und Carsten Kriegenburg aus Pechau einen Stummfilmabend mit dem Wanderkino "Laster der Nacht". Gunthard Stephan (Violine) und Tobias Rank (Piano) haben aus einem umgebauten Feuerwehrauto, einem 45 Jahre alten Magirus Deutz, ein fahrbares Kino gemacht, mit dem sie in ganz Deutschland unterwegs sind, um alte Filmtradition am Leben zu erhalten. Am Auto die Leinwand befestigen, die beiden Filmprojektoren aufstellen – und schon ist das Kino fertig hergerichtet. Das geht genz unkompliziert auch im Freien.

So war es eigentlich auch geplant: am Deich des Umflutkanals zu sitzen und im Hintergrund der Kinoleinwand auf die allmählich im Blau der Nacht verschwindende Elbauenlandschaft zu blicken. "Der Pechauer Landwirt hatte für das schöne Hintergrundbild extra Raps angepflanzt, der jetzt so schön gelb blüht", sagte Carsten Kriegenburg. Aber der Regen machte wieder mal einen Strich durch die Rechnung. Stattdessen also die Schlechtwettervariante: in der Scheune des Landwirtes, trocken und gemütlich.


Es war herrlich, die alten Schwarzweißfilme voller Komik zu sehen. Schon lange haben wir nicht so gelacht wie bei der Zerstörungsorgie, die Stan Laurel und Oliver Hardy bei einem Stau auf einer Landstraße entfachten. Und dazu die geniale Begleitung, im Stil der alten Zeit. Rank und Stephan reagierten, den Blick auf die Leinwand gerichtet, auf die Handlung der Filme bzw. nahmen sie so geschickt vorweg, daß die Spannung der Filme noch unterstützt wurde.

Dienstag, 25. März 2014

Finnischer Tango

Eben aus dem Kino zurück – wir haben heute die letzte Gelegenheit genutzt, im Magdeburger Studiokino den Film "Mittsommernachtstango" zu sehen.

Ein sehr schöner Film, obwohl – oder auch weil – wir weder finnisch noch spanisch sprechen, geschweige denn Tango tanzen können. Ein Roadtrip von drei Tangospielern aus Buenos Aires, die nicht glauben wollen, daß der Tango ursprünglich aus Finnland stammt und die sich selbst auf den Weg nach Finnland machen. Drei Argentinier, die in einem alten Lada durch ein Land fahren, in dem die Sonne auch um zehn Uhr abends noch hoch am Himmel steht, in dem es kaum Menschen gibt und vor allem, in dem der Tango auf eine so andere Art gespielt wird. Eine Spurensuche, bei der die Argentinier finnischen Musikern begegnen und mit ihnen gemeinsam Tango spielen, voller Neugier auf das vertraute Fremde.



Der Film kommt herrlich leicht daher und ist eine liebevolle Hommage an den Tango, egal ob nun argentinisch oder finnisch. Und auch egal, wo nun die Heimat des Tango liegt. Der Film wurde nicht synchronisiert, sondern wird mit Untertiteln gezeigt – anders hätte er wohl einiges an Authentizität verloren.

Donnerstag, 15. August 2013

Ku! Kin Dsa Dsa

Heute mal ein Filmtip für Freunde von Trickfilm und Science Fiction: Ku! Kin Dsa Dsa (im Original: Kу! Kин-дза-дза). Manche würden den Film wohl auch unter Steampunk einordnen.

Durch ein Missverständnis werden die beiden Haupthelden
des Films, der Cellist Wladimir Tschischow und sein Neffe
Tolik, von einem Außerirdischen auf einen fremden
Planeten gebeamt. (weitere Filmbilder unten)

Hier ist der Filmtrailer: 

Nun ja, wer den Trailer gesehen hat, wird schnell den großen Nachteil erkannt haben: der Film ist zurzeit nur in russisch verfügbar. Und das ohne Untertitel (vielleicht gibt es die ja auch bald. Und bis dahin sind die im Vorteil, die Russisch in der Schule gelernt haben :-). Aber die großartigen Bilder entschädigen für die Verständnisprobleme. Ohnehin ist der Film nicht so sehr schwer zu verstehen, wenn man die Grundzüge der Handlung kennt:

In Moskau trifft der weltberühmte Cellist Wladimir Nikolajewitsch Tschischow mit seinem Großneffen Tolik zusammen, der aus Nizhnie Yamki nach Moskau kam, um DJ zu werden. Ein Alien kommt auf der Suche nach seinem Heimatplaneten vorbei und als Tolik auf die Fernbedienung drückt, die der Alien in der Hand hält, landen die beiden Menschen auf dem Wüstenplaneten Plük. Dort gibt es eine Menge skuriler Gestalten. Die Gesellschaft ist in die höhergestellten „Tschatlanen“ und die niedriger stehenden „Pazaken“ unterteilt. Die Pazaken müssen als Zeichen ihres niedrigen Standes eine Glocke ("Zak") unter der Nase tragen.

Freitag, 18. Februar 2011

Alphaville MD

Im Magdeburger Kunstmuseum läuft grad die Ausstellung »Alphaville MD«, in der der sich Maix Mayer mit Stadtentwürfen von einst und jetzt auseinandersetzt, unter anderem auch unter Nutzung im Archiv des städtischen Bauamtes aufgefundener  Modelle. Die Ausstellung selbst blieb mir einigermaßen im Verborgenen, und dies nicht einmal im übertragenen, sondern in einem sehr direkten Sinn: die Entwürfe und Visionen werden in einem fast vollständig verdunkelten Raum präsentiert, beleuchtet durch flackernde Lampen.
Der Film »Alphaville MD« aber ist sehenswert! Zu Filmaufnahmen Magdeburger Straßen, vor allem unter Verwendung von Zeugnissen der einst in Teilen sehr fortschrittlichen und modernen Architektur der DDR (z.B. die Hyparschale) oder noch älterer Bauwerke (z.B. Turm im Rothehornpark), aber auch moderner Architektur (ExFa, Denkfabrik, Uni-Bibliothek) wird ein Text verlesen, der an Stadt- und Gesellschaftsbeschreibungen der Science-Fiction-Literatur der 60er und 70er Jahre erinnert. Ich kann nur empfehlen, sich die halbe Stunde Zeit zu nehmen, vor die Leinwand zu setzen und den in Endlosschleife gezeigten Film von Anfang bis Ende anzusehen und zu -hören.
Nähere Infos beim Kunstmuseum und bei Maix Mayer.
Foto: Kunstmuseum (Filmausschnitt)