Sonntag, 26. Juni 2022

Holzhaustheater: Mit Petticoat und Rock 'n' Roll

Für die 2022er Kalimandscharo-Festspiele des Holzhaustheaters Zielitz schrieb Sigrid Vorpahl ein ganz neues Stück. Eine Romeo-und-Julia-Geschichte in der DDR der 1950er Jahre kombinierte sie mit dem Druck auf kleine Gewerbetreibende, etwas Industriespionage und der über den eisernen Vorhang schwappenden Westmusik. 

Romeo und Julia heißen hier Gerda und Joachim und entstammen verfeindeten (Mode)Häusern. Gerdas Vater Ernst Weberknecht hat eine kleine Schneiderei, Joachims Vater Heinz Lohmann ist der "rote Dior" Heinz Lohmann. Mit dieser Bezeichnung ist die Figur deutlich erkennbar angelehnt an den Magdeburger Modemacher Heinz Bormann, der über die Grenzen der DDR anerkannte Mode entwarf.

Beide Familienunternehmen sind wegen der konkurrierenden Mode verfeindet, die Kinder aber haben sich ineinander verliebt. Als Anneliese Lauscher, Genossin aus der SED-Bezirksleitung Weberknecht in eine Genossenschaft drängen will, bleibt ihm nur der Ausweg, sich mit avantgardistischer Mode unentbehrlich zu machen. Dafür kommen die Ideen von Tochter Gerda gerade richtig, die grad von einer Reise nach Westberlin zurück kommt und nicht nur Mode, sondern auch Musik mitbringt. Die Angestellten sind begeistert und tanzen auf den Tischen. Und Gerda darf - oder muss - beweisen, dass sie die Hosen an hat. Auch in der Mode, was damals noch völlig ungewohnt war. 

Nach der Pause, im zweiten Akt, findet nach einigen Verwicklungen die Modenschau tatsächlich statt. Mit dabei ist nicht nur Anneliese Lauscher, welche die Modenschau eigentlich verhindern möchte, sondern auch eine Reporterin einer Modezeitung aus dem Westen, die sehen möchte, "welchen Stellenwert Mode für Werktätige" hier hat. Immerhin hätte es Anneliese Lauscher durch falsche Informationen fast geschafft, dass die Modenschau vor leeren Stühlen stattfindet. Zum Glück gibt es das Publikum....

Was folgt ist eine Musikrevue quer durch die Musik der Zeit. Die den Besuchern trotz der 60 Jahre Zeitunterschied immer noch sehr präsent war. Denn wer kommt schon an Liedern wie "Marmor, Stein und Eisen bricht", "Wenn ich ein Junge wär", "Ich will 'nen Cowboy als Mann", "Hallo Mary Lou", die "Zuckerpuppe aus der Bauchtanzgruppe" oder "Papa liebt Mambo" vorbei. Am Ende dann der Rock 'n' Roll. Mit Petticoat und Überschlag. Eine wunderbare Zeitreise. 

Und für Gerda und Joachim gibt es ein Happy End, schließlich waren sie am Ende gemeinsam in der Modenschau. Auch wenn dieser Teil der Geschichte (zuvor gab es noch den Diebstahl von Gerdas Entwürfen) nicht ganz auserzählt war. 

Nach der Vorstellung bot sich im Abendlicht nochmal ein wunderbarer Blick aus der Höhe von etwa 139 Meter ü.NN über das umliegend Land, ehe es dann entlang des Förderbandes wieder abwärts ging. Mit viel Musik im Ohr, die immer noch nachhallt. 

Wer das Erlebnis haben möchte sollte sich beeilen, denn einige der Vorstellungen (noch bis zum 10. Juli immer freitags, sonnabends und sonntags) sind bereits ausverkauft. Zur Erreichbarkeit der Spielstätte auf dem Kaliberg: der Aufstieg ist zwar steil und etwaa anstrengend. Aber die einzigartige Kuliise der Salzberge und der weite Blick entschädigen die Strapazen. Oben angekommen ist für kalte Getränke und Speisen vom Grill zur Stärkung gesorgt. Und wer wirklich schlecht zu Fuß ist, kann sich mit einem Transporter nach oben (und auch wieder nach unten) fahren lassen.

Eine große weiße Salzfäche
auf der Spitze des Kaliberges

Der Verpflegungsstand

"Das höchste Theater zwischen Magdeburg
und der Ostsee", so bezeichnet das
Holzhaustheater den Spielort.















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