Samstag, 29. März 2025

Anna sein

„Anna sein“, so lautet der Titel der Ausstellung von Holger Dülken in der Galerie Kunst-Kontor in Schönebeck. Einfach nur „Anna sein“ zu können, das war auch der lange Wunsch der 38 jährigen Anna aus Schönebeck, deren Weg von einem Mann zu einer Frau der Fotograf Holger Dülken ein Jahr lang begleitete. Entstanden sind Bilder, die sowohl sehr persönliche und intime Einblicke als auch eine selbstbewusste Selbstverständlichkeit zeigen, mit der Anna sich auf den Weg der Transition begibt. Anna war Gast auf der Vernissage, man konnte die Freude sehen, diesen, ihren, Weg gegangen zu sein.

Eingeleitet und musikalisch begleitet wurde die Vernissage von Martin Müller mit den französisch inspirierten Klängen seines Knopfakkordeons (selbst den A-Train kann er so spielen, dass er nach Musette klingt).

Die Laudatio hielt René Wölfer, der den Fotografen Holger Dülken schon lange kennt. Der Sozialdemokrat Wölfer zitierte einleitend ausgerechnet den CDU-Mann Karl-Josef Laumann, „einen Erzkonservativen“, wie er sagte, mit den Worten „Ich weiß nicht, warum Gott die Menschen so unterschiedlich gemacht hat“. Wölfer kommentierte das Zitat kurz: „Aber es ist nun mal so“. 

Wölfer spricht über Dülkens genauen Blick, über das Vertrauen zwischen Fotograf und Model und Dülkens Art zu fotografieren. „Holger hört mit der Kamera zu“, sagte er, „Er verändert nichts. Er begleitet. Und wir dürfen heute zuschauen, zuhören, mitfühlen“. Und Wölfer spricht darüber, dass es in dem Fall nicht einfach ein Model ist, das der Fotograf wegen Fotos anfragte. Denn letztlich geht es beim Sichtbarmachen dieser Verwandlung eines Mannes zu einer Frau um einen Perspektivwechsel des Betrachters, der daran erinnert wird, „dass Würde, Freiheit und Identität keine Zugeständnisse sind“. Den vollständigen Text der Laudatio gibt es am Ende dieses Berichts.