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Sonntag, 30. Oktober 2022

Sinuston: Zurück zum Mond

Bei Sinuston, den Magdeburger Tagen der elektroakustischen Musik, gab es auch in diesem Jahr wieder ein Familienprogramm. Im Programmheft stand "5+" – und ich kann bestätigen, sowohl mein Enkel als auch ich, wir waren beide gleichermaßen fasziniert von dieser phantastischen Reisegeschichte von der Erde bis zum Mond. 

Spiel, Regie, Dramaturgie, Text: Sandy Gärtner
Ausstattung, Regie, Dramaturgie, Text: Wolfgang Krebs


Als Bühne im Turmpark, dem alten Wasserwerk unterhalb des Wasserturms Salbke (Magdeburg) genügte ein schwarzes Partyzelt, einige Bücher, eine Popcornmaschine und, ganz wichtig, eine Karte unseres Sonnensystems (die Luna als Planetenexpertin erklärte) sowie ein riesiger Vollmond. Denn diesen besuchte sie bereits an ihrem 8. Geburtstag. 

Sauer darüber, dass die nun erwachsene Luna (Sandy Gärtner) bei einer aktuellen Expedition zum Mond nicht mitfliegen durfte, erzählte nun die 8jährige Luna Mondmädchen (als Puppe) die Geschichte ihrer Reise zum Mond. Damals war sie sogar auf der Rückseite des Mondes, wo sie an einem Baum silberne Äpfel pflückte. Und sie half einem auf dem Mond mit seinem Raumschiff gestrandeten Außerirdischen.

Samstag, 29. Oktober 2022

Sinuston: Silver Apples of the Moon

"Silver Apples of the Moon" von Morton Subotnick inspirierte Stefan Schultze für seine Kompositionen, die er für sein Large Ensemble erstellte und mit "A handcrafted tribute to Morton Subotnick" bezeichnete.

Stefan Schultze – Klavier, Komposition
Almut Kühne – Gesang
Leonhard Huhn – Altsaxophon
Peter Ehwald – Tenorsaxophon
Magnus Schriefl – Trompete
Elena Kakaliagou – Horn
Roland Neffe – Marimba
Els Vandeweyer – Vibraphon
Peter Meyer – E-Gitarre
Felix Henkelhausen – Kontrabass
Moritz Baumgärtner – Schlagzeug

Stefan Schultze vollzieht gemeinsam mit seinem Large Ensemble, einer Gemeinschaft von allesamt großartigen Musikern aus der Jazz-Szene, eine stimmgewaltige und bis auf die E-Gitarre rein akustisch vollzogene Remineszenz an das rein elektronisch entstandene Werk "Silver Apples of the Moon". Eine interessante Hörerfahrung ergab sich gleich zu Beginn: aus dem vorangegangenen Vortrag von Morton Subotnick waren noch einige Synthesizer-Klänge im Ohr und das elektronische Klanggefühl war noch präsent. Und plötzlich hörte man diese Klänge, aber auf akustischen Instrumenten gespielt. Tripsody nannte Stefan Schultze sein erstes Stück, und verstand es wie überhaupt das ganze Konzert als Kommentar zur Musik von Morton Subotnick. "Es sollte nicht einfach eine Adaption werden", sagte Schultze, "wir wollten mit unserer eigenen Sprache etwas daraus machen". 

Sinuston: Morton Subotnick

Ein großer Vollmond prägte Flyer und Programmhefte der diesjährigen Sinustage. Unübersehbares Zeichen dafür, dass Morton Subotnicks Silver Apples of the Moon im Mittelpunkt des Festivals stehen soll. Der amerikanische Komponist und Pionier der elektronischen Musik Morton Subotnick kam persönlich für einen Vortrag über die Geschichte der (elektronischen) Musik nach Magdeburg. Sein Silver Apples of the Moon war auch Inspiration für das an den Vortrag anschließende Konzert von Stefan Schultze und seinem Large Ensemble.  "Ich freue mich sehr, dass Morton Subotnick unserer Einladung gefolgt ist", begrüßte ihn Stefan Schultze. 

Der 89jährige Komponist setzte sich in der Mitte des Gartensaales des Gesellschaftshauses vor das Publikum und hielt einen Vortrag über die Geschichte der Musik im Allgemeinen und die Geschichte der elektronischen Musik im Besonderen. Geplant waren 45, am Ende waren es dann 90 sehr interessante Minuten. In seinem Vortrag präsentierte Morton Subotnick Bilder und vor allem Klangbeispiele.  

Freitag, 28. Oktober 2022

Sinuston: Kaleidoskop der Räume

Heute stand bei Sinuston, den Magdeburger Tagen der elektroakustischen Musik, eine Klanginstallation auf dem Programm, die sich mit Werken von Heinrich Schütz beschäftigte. Eine interessante Verbindung von klassischer und neuer Musik.

Fabian Russ – Konzertinstallation

Das Konzert fand statt im Schinkelsaal, in dem sonst klassische Konzerte und - mit der Telemann-Sonntagsmusik - Alte Musik aufgeführt werden. Die Verbindung passte also. Nur war das Ambiente ein völlig anderes. Statt Stuhlreihen standen einige Stühle im Kreis, Sitzkissen lagen auf dem Boden und  violettes und blaues Licht bildete eine mystische Atmosphäre. 

Acht Lautsprecher standen im Kreis und erzeugte so nicht nur einen quadrophonischen Sound, wie er lange schon Standard im Fernseh-Ton ist, sondern einen oktaphonischen. Tatsächlich wurde der Ton aus acht separaten Tonsspuren gespeist, wie der Tontechniker erklärte. So wurden akustische Effekte möglich, die so etwas wie einen erweiterten Raumklang erzeugten und sich Tonquellen im Kreis bewegten.

Samstag, 30. Oktober 2021

Sinuston-Festival: Sound Diffusion

Das Switch~ Ensemble mit seiner kammermusikalischen Besetzung führte Werke der Neuen Musik auf. Den vorwiegend akustischen Klänge konventioneller Konzertinstrumente gaben sie mit Video- und Toneinspielungen eine ungewohnte Umgebung.

Zach Sheets – Flöten
Rocio Bolaños – Klarinetten
Lauren Cauley – Violine
T. J. Borden – Violincello
Ami Garapic – Schlagzeug
Wei-Han Wu – Klavier
Jason Thorpe Buchanan – Leitung, Elektronik

Am Sonnabend wechselte das Sinsuton-Festival in den Magdeburger Moritzhof, in die große Konzertscheune. Dort gab es genügend Platz für das Ensemble und ein großes Setting an Elektronik und Videotechnik. Diese kam auch gleich beim ersten Stück, Smart Alienation von Igor C. Silva zum Einsatz. Mit einer Warnung vorab: es werde sehr Laut und es gebe schnelle Lichtwechsel. Die Lautstärke war dann aber unproblematisch, und die Lichtwechsel erwiesen sich als tatsächlich schnelle Einblendungen von Texten oder Screenshots. Zum Staccato von Tönen flackerten die Screens in harten Schwarzweiß-Kontrasten und teils nur für Sekundenbruchteile auf. Dem Ensemble kam die Aufgabe zu, damit in Dialog zu treten, in Interaktion mit der Elektronik kreativ etwas neues zu schaffen. Ein durchaus interessantes Stück, das mit seiner scheinbaren Unbestimmtheit aber sehr viel Kraft ausstrahlte. 

Freitag, 29. Oktober 2021

Sinuston-Festival: sync_ed

Letzter Act der langen Nacht war das Projekt Sync_ed von 8 Musikern, die ihre Synthesizer mittem im Salon des Gesellschaftshauses aufgebaut hatten. Um einen quadratischen Tisch stehend spielten sie sich gegenseitig ihre Sounds zu. 

Lorenz Kraach von MODEM 39
CV369
DJ Tork von MODEM 39
Nasca
Slaughter House Point
Microfunque
Florian von charmin rec.
Heli.B (vocals)

Irgendwie war die "Lange Nacht des Synthesizers" wohl nicht nur lang und musikalisch sehr interessant, sondern erforderte auch Konzentration auf die vielfältigen Klänge und war deshalb auch ein wenig anstrengend – so war dann das letzte Projekt des Abends auch eine willkommene Möglichkeit herunterzukommen. Viele setzten sich auf die Kissen, die an den Wänden entlang lagen, andere standen draußen im Foyer, hörten durch die offenen Türen zu oder unterhielten sich. Eine recht entspannte und lässige Atmosphäre, ein ruhiger Ausklang eines langen Abends.

Sinuston-Festival: Hybrid Core

Core, das Ensemble für experimentelle Netzwerkmusikperformance, vollzieht musikalisch das, was in Zeiten der Corona-Pandemie viele kennen: Videokonferenzen. Nur dass hier alle sechs Musiker das tun, was auf üblichen Videokonferenzen verpönt ist: sich gleichzeitig "zu Wort" zu melden. 

Constantin Basica – Piano, Synth
Chris Chafe – Celletto, Stegosaurus
Henrik von Coler – Hypermodular Synth
Fernando Lopez Lescano – modular Synth, El Dinosaurio
Juan Parra – Guitar, Modular Synth
Klaus Scheuermann – Modular Synth

Zur Hybrid-Veranstaltung "Hybrid Core" wurde es durch die Anwesenheit echter Menschen in der Zoom-Konferenz, eines der Musiker und vieler Zuschauer. Henrik von Coler hatte sein Equipment im Schinkelsaal aufgebaut, dazu eine große Leinwand, auf der teils seine Kollegen im Split Screen zugeschaltet waren, teils Kommentare zu den Geräuschen zu lesen waren, Bezeichnungen wie "groans", "buzzing", "guitar like music", "gasps", "whistles" oder "purring". Die Zuschauer wurden so in den Entstehungsprozess der Musik mitgenommen. Aber auch hier sind die Grenzen fließend, ist es Musik, ist es Geräusch? Lässt man die Klänge auf sich wirken, dann kann man sich durchaus auch Geschichten vorstellen, wenn es akustisch tönt und man dazu liest "shrieking", "coaching", "chimes", "rumbling", "roaring" oder "phaser firing". Und dies alles im Quadrosound der im Raum vreteilten Lautsprecher. 

Sinuston-Festival: Richard Scott

Extreme Elektronische Klänge, von musikalischen Konventionen so weit wie nur möglich entfernt, gab es von Richard Scott zu hören.

Der in Berlin  lebende Improvisationskünstler saß mit seinem Musikkoffer, in dem er seinen Synthesizer installiert hatte und einige weiteren Geräten mitten im Gartensaal des Magdeburger Gesellschaftshauses. Mit schnellen Bewegungen bediente er seine Technik, mischte experimentelle Klänge aus den Synthesizern mit Wortfetzen aus einem daneben stehenden Koferradio. Dann wieder kurze Töne, die in vielfältiger Folge aufploppen wie an die Oberfläche eines Sees steigende Blasen, mal metallisch scharf, mal wie angeschlagene Saiten eines analogen Instruments klingend. 

Sinuston-Festival: Dunkelwellen

Kai Niggemann & Conni Trieder mit ihrem Programm Dunkelwellen. 

Im dunklen Bühnenkostüm mit glitzernden Punkten stehen Kai Niggemann und Conni Trieder auf der Bühne, Kai Niggemann an den Synthesizern und Conni Trieder mit ihrer Querflöte an den Loop- und Effektgeräten. Und wirken damit wie zwei Zauberer aus dem Auenland. Und irgendwie ist es auch wie zaubern, was sie mit den so unterschiedlichen Instrumenten und Geräten anstellen. Töne, Klänge, Stimmungen. Mal dominieren die trotz des Metalls warmen, harmonischen Töne der Flöte, mal die sphärischen Klangwellen der Synthesizer. 

Sinuston-Festival: Slaughter House Point

Tag 2 des Sinuston-Festivals, der Magdeburger Tage der Elektroakustischen Musik, überschrieben mit "Lange Nacht des Synthesizers". An diesem Tag spielte sich alles im Gesellschaftshaus ab. Sinuston-Veranstalter Carsten Geerth ist zugleich Leiter des Gesellschaftshauses. Der klassizistische Schinkelbau ist normalerweise ein Haus, in dem man klassische Musik hört. Mit dem Siuston-Festival und vor allem  mit dem heutigen Abend hat Carsten Geerth neueste und durchaus experimentelle Musik in die altehrwürdige Spielstätte geholt.

Das große offene Foyer war schon vor dem Beginn der Konzerte mit sphärischen Klängen erfüllt. In einer Raumecke nahe der Bar saßen die beiden Musiker von Slaughter House Point und gaben schon mal einen Vorgeschmack auf den Abend.

Donnerstag, 28. Oktober 2021

Sinuston-Festival: Trioglyzerin – Die Abenteuer des Prinzen Achmed

Stummfilm neu interpretiert: Trioglyzerin fügt dem 95 Jahre alten Film "Die Abenteuer des Prinzen Achmed" eine neue Begleitmusik hinzu, mit akustischen und elektronischen Instrumenten.

Ulrich van der Schoor – Synthesizer, Klavier
Kristoff Becker – Violoncello
Tobias Becker – Oboe

Carsten Geerth, Leiter des Gesellschaftshauses Magdeburg, eröffnete die Magdeburger Tage der Elektroakustischen Musik, wie das "Sinuston"-Festival mit vollständigem Titel lautet. Zum 11. Mal finden die Konzerte der (überwiegend) elektronischen Musik nun schon statt. Seit 2008, zunächst alle zwei Jahre, ab 2012 jährlich – nur im vergangenen Jahr nicht, wie so vieles in der Pandemiezeit. "Ich freue mich sehr, dass die Konzerte wieder live stattfinden können", sagte Carsten Geerth dem Publikum. Dieses war zahlreich ins Magdeburger Oli-Kino gekommen. 

Am Auftakt des Festivals stand Filmmusik. Wobei dieser Begriff nur eine Kurzfassung darstellt und es auch nicht ganz trifft, denn Film und Musik, jedes davon war schon für sich bemerkenswert. Der Film: ein Stummfilm, ein Trickfilm. Der erste abendfüllende Trickfilm, ein Silhouettenfilm von Lotte Reiniger aus dem Jahr 1926.

In seiner Scherenschnitttechnik (die Silhouetten wurden von Lotte Reiniger tatsächlich als Scherenschnitt gefertigt und dann Bild für Bild animiert) wirkt der Film wie ein balinesisches Schattenspiel (nur dass die Gamelanmusik fehlt). Der Film wirkt wie ein Märchen aus tausendundeiner Nacht, von exotischen Geschichten und Märchen inspiriert. Lotte Reiniger verknüpft Figuren und Legenden aus aller Welt, vor allem aber aus der exotischen Welt zu einer spannenden und zauberhaften Märchengeschichte, mit Liebe, Kampf und Zauberei. Der afrikanische Zauberer (dessen Hände an Nosferatu erinnern), der Arabische Prinz, Aladin und seine Wunderlampe, eine Hexe und der Kaiser von China treffen in ein und derselben Geschichte aufeinander.

Sonntag, 27. Oktober 2019

Die unendliche Feinheit des Raumes – Abschlusskonzert des Sinuston-Festivals

Oliver Schneller setzt sich in seinem "Theatrum sonorum", wie er seine Komposition "Die unendliche Feinheit des Raumes" im Untertitel nennt, in seinem Klangtheater für Orchester, Orgel und acht Lautsprecher, mit dem Inhalt von Otto von Guerickes "Experimenta nova" auseinander, mit Guerickes Beschreibung der Welt und seiner Experimente mit dem leeren Raum.
Oliver Schneller – Komposition
Franz Danksagmüller – Orgel
Mendelssohn Kammerorchester Leipzig
Manuel Nawri – Dirigent
Henrik von Coler – Klangregie
Das Mendelssohn Kammerorchester Leipzig spielt in
der Konzerthalle "Georg Philipp Telemann" im
Kloster Unser Lieben Frauen Magdeburg

Die Sätze von "Die unendliche Feinheit des Raumes" lehnen sich an die Kapitel aus Guerickes auf Latein verfasssten Buch (originale Kapitelbezeichnungen in Klammern) an, das insgesamt ein Abriss der kosmischen Physik der Zeit Otto von Guerickes ist:
I. Die Welt und ihr Bau (De Mundo ejusque Systemate)
II. Der leere Raum (De Spatio Vacuo)
III. Eigene Versuche (De Propriis Experimentis)
IV. Kosmische Kräfte (De Virtutibus Mundanis & aliis rebus independentibus)
V. Erde und Mond (De Terraqueo globo ejusque Socia quae vocatur Luna)
VI. Unser Sonnensystem (De Systemate Mundi nostri Planetario)
VII. Die Fixsternwelt und ihre Grenzen (De Stellis Fixis & Eo quod finit Eas)

Oliver Schneller hat sein siebensätziges Werk ebenso aufgebaut wie Guerickes Beschreibung des Kosmos und der planetaren Welt. Er berücksichtigt die Vorstellungen des Denkens Guerickes, der aus seinen Untersuchungen von Wechselwirkungen der Kräfte Rückschlüsse auf kosmische Zusammenhänge zog.

Donnerstag, 24. Oktober 2019

Eröffnungskonzert des Sinuston-Festivals

Elektronik und kräftige Beats gehörten zu den Schwerpunkten des Eröffnungskonzertes des Sinuston-Festivals, das nun schon zum 10. Mal in Magdeburg stattfindet.


Carsten Geerth, der den Abend im Forum Gestaltung eröffnete, freute sich sichtlich über das runde Jubiläum des Festivals, zu dessen Eröffnungskonzert er „als Reverenz an unsere Stadt Musiker aus Magdeburg und der Region eingeladen“ hatte.

Carsten Geerth (links) eröffnete das Festival. Neben
ihm: Oliver Schneller, der das Festival vor zehn Jahren
gründete und Mikro Lange, der langjährige
Tontechniker des Festivals

Den Auftakt machte Mathias Markgraf, besser bekannt unter seinem Pseudonym Prypjat Syndrome. In Magdeburg ist er oft an unterschiedlichen Stellen zu erleben, auch als Straßenmusiker, wenn er sich mit seinem schwarzen Cello und seinem Elektronikkoffer zum Beispiel vor den Bahnhof oder auf die Sternbrücke setzt und spielt.