Posts mit dem Label Gottesgnaden werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gottesgnaden werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 1. Mai 2019

Julie Sassoon Quartett in Gottesgnaden

Das Julie Sassoon Quartett eröffnete heute die Saison im Saalehof Gottesgnaden. Die Musik der in Berlin lebenden Engländerin war vom Klavier ebenso wie von Klarinette und Saxophon geprägt – mit kräftigen und doch harmonischen Klängen.
Julie Sassoon – Piano
Lothar Ohlmeier – Bassklarinette, Saxophon
Meinrad Kneer – Bass
Rudi Fischerlehner – Schlagzeug

Die Band kam auf dem Weg von Bochum nach Berlin mit etwas Verspätung nach Gottesgnaden, musste wohl diesen kleinen, auf einer Saaleinsel versteckten Ort mit dem geheimnisvollen Namen erst finden. Gleich nach dem Auspacken der Instrumente (und dem Ausrichten des Klaviers, das auf dem rohen Betonfußboden des ehemaligen Stalls letztlich nur in leichter Schräglage eine kippelfreie Position fand) begannen die vier Musiker zu spielen, ohne Soundcheck. Der war auch nicht nötig, schließlich spielten die vier Musiker rein akustisch, ohne Verstärkung – was für ein Jazz-Konzert zwar etwas ungewöhnlich ist, aber andererseits ein ganz anderes, natürliches Hörgefühl mit sich brachte: eine Neujustierung der Ohren.

Das Konzert begann, anders als bei einem Klavierquartetts vielleicht erwartet, nicht klavierbetont, sondern zunächst nur mit leisen Tönen von Rudi Fischerlehner am Schlagzeug. Eine kleine Glocke imitierte ein Telefon aus analogen Zeiten, immer wieder leise klingelnd. "Nun geh' doch mal ran" wäre auch eine passende Bezeichnung des Titels ("clouds") gewesen. Julie Sassoon hielt sich anfangs zurück und ließ zart perlende Tonfolgen hören. Als dann aber Lothar Ohlmeyer mit seinem Saxophon hinzutrat, entwickelte sich nach und nach eine gewaltige Fülle an Klängen. Auch das nächste Stück, misscalled, war wieder deutlich vom Saxophon bestimmt, das von Klavier und Baß dröhnend begleitet wurde. Überhaupt erwies sich Julie Sassoon als sehr gefühlvolle Begleiterin der anderen Musiker, wenn sie etwa Lothar Ohlmeiers Klarinettensolo leise unterstützt oder den Meinrad Kneers Baß, der immer mal wieder im Solo sein Instrument zum Melodieinstrument machte. An solchen Stellen merkt man, wie gut die Musiker aufeinander eingespielt sind: wenn sich Saxophon, Schlagzeug, Baß und Klavier in wilder Dynamik zusammenfinden, das Klavier dabei eher zum Teil des Schlagzeugs wird. Wow!

Samstag, 22. Juli 2017

Uwe Kropinski in Gottesgnaden

Uwe Kropinski, einer der besten deutschen Gitarristen, begann sein Konzert im Saalehof in Gottesgnaden mit spanischen Klängen, in die er zuweilen Anklänge an indische Sitar-Musik oder Blues mischte. Ruhig und konzentriert, tief in seine Musik versunken, sitzt der Gitarrist dabei auf seinem Stuhl, spielt mal klassisch, mal mit sehr schnellem fingerpicking, nutzt sein Instrument zum Erzeugen percussiver Töne. Im seinem Spezial-Plektrum gewidmeten Stück „Super Pick“ benutzt er dieses so intensiv, dass eine Zuschauerin ihm die Frage zurief, „ob denn die Gitare nicht darunter leide“ (und dazu erklärte, „früher hieß es immer 'kratz nicht so auf den Saiten herum', wenn ich Opas Gitarre nahm“). Nein, sagte Kropinski schmunzelnd, die Gitarre halte das schon aus, die sei eine Spezialanfertigung und werde notfalls auch repariert.


Der für sein schnelles und akkurates Instrumentalspiel bekannte Kropinski sang zu einigen Stücken. Eher ein melodischer Sprechgesang, mit englischen Texten und anrührenden Inhalten. Vom Sinn des Lebens war die Rede, von der „Zeit, einfach so da zu sein“ („time to be“). In einem seinem Vater gewidmeten Lied heißt es: „he will survive, when he is gone“, („er wird weiterleben in Liedern und Bildern“). Ein virtuoses Stück spanischer Gitarrenmusik nannte er schlicht „Paco“ und Musikkenner hörten darin eine Hommage an Paco de Lucia heraus. Kropinski widmete es „allen Pacos dieser Welt, die auf den sechs Saiten Musik machen“.

Saalehof in Gottesgnaden

Ein Ausflug nach Gottesgnaden in den Saalehof. Vor dem Konzert war noch Zeit, auf der Terasse zu sitzen und über die Saale nach Calbe zu schauen (und ein kühles Hefeweizen zu trinken). Auch der Fähre konnte man zusehen und darüber nachdenken, ob denn die Stadt Calbe nicht besser zwei davon hintereinander koppelt – das würde reichen um eine Schwimmbrücke zu haben. Denn die Fähre stellt bereits 18 Uhr ihren Betrieb ein, wer danach nach Hause fahren möchte, hat einen weiten Umweg vor sich. Aber auch die Zeit zum Bilder betrachten blieb noch, von denen einige in den weißgestrichenen ehemaligen Stall- und Garagengebäuden hängen.