Mittwoch, 6. Juli 2022

Uta (Film)

Ein Film über die Sängerin, Liedermacherin und Malerin Uta Pilling. Und eigentlich auch über den Liedermacher Jens Paul Wollenberg, mit dem sie seit 1990 bis zu ihrem Tod im Jahr 2020 zusammenlebte. Beides Originale aus der Leipziger Kulturszene, und dies im besten Sinne, im Sinne von originell und unangepasst, beide gleichermaßen. „Wir sind aneinander gebunden“, sagt sie im Film über ihre nicht immer einfache, aber immer liebevolle Beziehung. (Webseite zum Film)


Der Film von Mario Schneider ist nahezu vollständig in schwarzweiß gedreht, einzig die eingeblendeten Schnipsel von privaten Video-Aufnahmen sind in Farbe und auch Uta Pillings 70. Geburtstag, der zu Begiun und Ende den Film einrahmt. 
 
Der Film strahlt insgesamt eine große Ruhe aus, etwa wenn er Uta zeigt sie, wie sie im kalten Wasser eines Leipziger. Sees badet, vorher Atemübungen macht, die der Szene einen eigenen Rhythmus geben. Oder wie sie mit klammen Fingern in der leipziger Fußgängerzone ihr Knopfakkordeon spielt und dazu singt. Nein, keine Wohlfühl-Lieder, sondern Texte über die „in Wohlstandsmüll gehüllten“. Während sie selbst fast nichts hat, aber auch nichts braucht. „Wir haben nichts was Geld kostet“, sagt sie über sich undJens-Paul Wollenberg, „wir haben nicht mal einen Computer“. Die am Ende ihres Lebens fast blinde Musikerin sagt: „mir reicht es, wenn ich mit der Lupe meine Texte schreiben und lesen kann“- 

„Was ist schon die Zeit, gegen Dich, gegen mich...“ singt sie, und der Film schält in langen Gesprächspassagen, vor allem mit ihrer Schwester, allmählich Stationen ihres Lebens heraus. Ein Leben, das von Geburt an („ich wurde bereits im Mutterleib für tot erklärt, lebte dann doch, zeigte aber erst mit etwa 9 Monaten erste Lebenszeichen“) schwer war, mit Missbrauch durch den Vater und vielen tragischen Ereignissen, bei denen sie aber nie den Mut verlor und vor allem nie die Güte ihren Mitmenschen gegenüber - und ihren Kindern, bei denen es nicht drauf ankam, von welchen Vätern sie stammten. Da ist nie etwas von Bitterkeit zu spüren, sondern immer eine unerschütterliche Liebe zum Leben. 

„Ich wollte nie ein blinder Sänger sein, / und auch keine blinde Sängerin, /und trotzdem schrei ich es aus mir heraus...“ heißt es in einem weiteren Liedtext. Und so zeigt der Film eine Sängerin, die sich nie unterkriegen lielß. Und erzählt am Beispiel ihrer Person auch die Geschichte einer ganzen Epoche. Ein berührender Film, der nie ins sentimentale verfällt, sondern die Zuschauer gestärkt zurücklässt.

Sonntag, 26. Juni 2022

Holzhaustheater: Mit Petticoat und Rock 'n' Roll

Für die 2022er Kalimandscharo-Festspiele des Holzhaustheaters Zielitz schrieb Sigrid Vorpahl ein ganz neues Stück. Eine Romeo-und-Julia-Geschichte in der DDR der 1950er Jahre kombinierte sie mit dem Druck auf kleine Gewerbetreibende, etwas Industriespionage und der über den eisernen Vorhang schwappenden Westmusik. 

Romeo und Julia heißen hier Gerda und Joachim und entstammen verfeindeten (Mode)Häusern. Gerdas Vater Ernst Weberknecht hat eine kleine Schneiderei, Joachims Vater Heinz Lohmann ist der "rote Dior" Heinz Lohmann. Mit dieser Bezeichnung ist die Figur deutlich erkennbar angelehnt an den Magdeburger Modemacher Heinz Bormann, der über die Grenzen der DDR anerkannte Mode entwarf.

Sonntag, 19. Juni 2022

Der Messias: Großes Halleluja in der Johanniskirche

Gleich drei Chöre holte Carsten Miseler für die Aufführung des Messias in der Schönebecker Johanniskirche zusammen, dazu 4 Solisten und ein Alte-Musik-Ensemble. So wurde daraus ein wirklich goßes und großartiges Projekt.

Kantorei Schönebeck
Kantorei Aschersleben
Chorgemeinschaft Hötensleben
Sarah Mengs – Sopran
Inga Jäger – Alt
Björn Christian Kuhn – Tenor
Tobias Mengs – Bass
Saxonia Music Company
Carsten Miseler – Leitung

Carsten Miseler, Inga Jäger, Sarah Mengs, Tobias
Mengs und Björn Christian Kuhn (von links)

Die Präsenz der drei Chöre mit ihren über achtzig Sängerinnen und Sängern war schon allein optisch ein grandioser Anblick, wie sie den ganzen Altarraum der prunkvollen Schönebecker Kirche auf mehreren Ebenen ausfüllten. Und dann erst die Musik! 

Schönebecks Kantor Carsten Mieseler hatte sich großes vorgenommen, mit seinen Chören den Messias komplett aufzuführen. Ein über zwei Stunden dauerndes Werk, das oft nur teilweise zur Aufführung kommt. Hier nun komplett und so waren zu Beginn von Solisten und Chor Texte zu hören wie "Ein Kind ist uns geboren" und "Es waren Hirten in derselben Gegend". Man konnte sich also etwas verwundert wie Weihnachten im Sommer vorkommen (was beispielsweise in Australien normal wäre). Um das zu verstehen muss man den Aufbau von Händels Oratorium kennen. Diese vereint drei große Erzählungen des Christentums: im ersten Teil Christoi Geburt, im zweiten Teil seinen Tod am Kreuz und im dritten Teil die Hoffnung auf Auferstehung und Wiederkehr. 

Samstag, 18. Juni 2022

Sinfonieorchester Magdeburger Musikfreunde: Neuer Mut

Mit "Neuer Mut" hatten die Musikerinnen und Musiker des Sinfonieorchesters Magdeburger Musikfreunde unter Leitung von Gero Wiest ihr aktuelles Programm überschrieben. Für sie war das Konzert das erste gemeinsame nach zweieinhalb Jahren Zwangspause. Und so kann man "Mut" auch in seiner Bedeutung als "Beherztheit" verstehen, als  Bestreben, mit frischen Schwung endlich wieder loszulegen. 

Perlende Harfenklänge (Maura Knierim als Gast) leiteten den Beginn des Konzertes ein, solo, ohne jede Orchesterbegleitung. Als dann tief die Bläser einsetzte, kam eine musikalische Stimmung auf wie von einem Waldidyll mit fließendem Wasser. Dieses berührende Motiv stammte aus Bedřich Smetanas "Mein Vaterland", aus dem ersten Satz (der eigentlich eine alte Burg über der Moldau beschreibt). Ein durchaus anspruchsvolles Stück, an den schwungvollen wie auch an den leisen Stellen im weiteren Verlauf. Teils mussten die Streicher so leise und zart spielen, dass man überlegen musste, ob man vielleicht das Kirchen-Heimchen hört. "Ich liebe dieses Stück", sagte mir Dirigent Gero Wiest. "Darin kann man auch Erinnerungen an Schlachten-Musik und an Ritterfeste auf der großen Burg sehen".

Freitag, 17. Juni 2022

Gommeraner Burgbräu

Heute galt "Global Thinking, lokal drinking". Zwei Flaschen Gommeraner Burgbräu aus der Brauerei in der  Wasserburg Gommern. (Die Flaschen sehen im Foto gleich aus, das Etikett mit Namen des Bieres und den nötigen Angaben besteht in der Banderole um den Verschluss der Bügelverschlussflasche.)


Zuerst das Gold: ein naturtrübes, bersteinfarbenes Bier. Auch aus der Flasche eingegossen entwickelt es eine schöne und feste Schaumkrone. Der leicht fruchtige Duft wird auch im Antrunk deutlich, eine fruchtiger Hofengeschmack, dessen nur leicht bittere Note erst später zum Tragen kommt. Ein angenehm leichter Malzgeschmack bildet dafür die Basis. 

Samstag, 4. Juni 2022

Dixieland in Zens – Old Merry Tale Jazzband

Dixieland von der Waterkant – Addi Münsters Old Merry Tale Jazzband fand im Künstlergarten der Familie Feldbach in Zens beim Festival "Klänge im Raum" über 400 begeisterte Zuhörer. 

Jost "Addi" Münster – Posaune, Leitung
Hans Malte Witte – Saxophon, Klarinette
Lennart Axelsson – Trompete
Philipp Straske – Gitarre
Lorenz Boeschel – Klavier
Gerald Bartels – Bass
David Bowler – Schlagzeug

Mit Blick auf den übervollen Feldbachschen Garten – 400 gedruckte Tickets waren verkauft, aber auch danach wurden noch Gäste reingelassen – hörte man sowohl von Ortsbürgermeister Frank Ahrend als auch von Gastgeber Michael Feldbach bei der Begrüßung Worte wie "Wow, das ist ja Wahnsinn". Das Publikum wollte nach zwei Jahren Zwangspause wohl endlich wieder Live-Musik hören, wollte sein Heimatfest feiern, das dieses Konzert mit Unterstützung des ganzen Dorfes und vor allem des Vereins Heimatfreunde Zicken-Zens letztlich auch darstellt. Die Heimatfreunde kümmerten sich wieder um Getränke, Kuchen und Grill. Und um viele Arbeiten vor und nach dem Konzert. Für Frank Ahrend war es auch "ein Symbol, dass es wieder mit der Kultur losgeht".

Das 28. Mal "Klänge im Raum" und das 24. mal "Dixieland in Zens" sind schon sehr viel – Addi Münster, 87, Bandleader und Posaunist der Old Merry Tale Jazzband, kann auf wesentlich größere Zahlen zurückblicken: Er kam ein halbes Jahr nach der Gründung, immerhin schon im Jahr 1956, zur Band und leitet sie seit 1957. "Wir hätten letztes Jahr unser 65. Jubiläum feiern wollen. Das ging aus bekannten Gründen nicht, wegen diesem dummen Virus. Aber das holen wir jetzt im 66. Jahr nach", sagte er dem Publikum. "Ich habe mich sehr gefreut, als ein Anruf kam, ob wir in Zens spielen könnten", sagte Münster, "und dann musste ich erst mal nachschauen, wo das eigentlich liegt. Aber nun werde ich es nicht vergessen".

Die Band startete mit "The Sunny side of the street" und angesichts des Wetters (die Band stand auf der Terrasse in vollem Sonnenschein) merkte Addi Münster an, "Ein Titel, der hier so richtig her passt". Mit der Musik nahm die Band die Zuhörer mit in die Jazzgeschichte. Teils mit Titeln, mit denen die Band bereits in den 60er Jahren Erfolg hatte, so zum Beispiel mit ihrer Filmmusik zum Film "Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehn" oder "Hallo kleines Fräulein, haben Sie heut' Zeit". Und selbstverständlich internationale Standards, wie den Beale Street Blues oder When the Saints goes marching in. 

Dienstag, 31. Mai 2022

Erinnerungen an Ludwig Schumann

In einer Gedenklesung im Farnhaus der Gruson-Gewächshäuser erinnerten heute das Literaturhaus Magdeburg und der Förderverein der Schriftsteller Magdeburg an den Schriftsteller Ludwig Schumann (1951 – 2019).

Claudia Behne-Kilz, Leiterin des Literaturhauses
Magdeburg eröffnete die Lesung

Zahlreiche Freunde Ludwig Schumanns folgten der Einladung, einige lasen aus Texten Schumanns oder sprachen über ihn. Den Beginn machte Albrecht Franke, der auch seine Biografie kurz zusammenfasste: "Ludwig Schumann war Koch, Pfarrer, Schriftsteller", sagte er, "und er schrieb wunderbare, kluge Texte. Und wer sich auf seine Gedichte einlässt, wird darin weite Räume entdecken". An Schumann erinnert man sich selbst im Ort seiner ersten Pfarrstelle, Groß Bodenstedt, immer noch gut, sagte Franke, "Ludwig Schumann hatte bereits dort, hatte schon immer, auch die Menschen am Rand im Blick, die es auch in der DDR gab".