Christoph Kunze, Psychologe und Fotograf aus Magdeburg, stellt zur Zeit eine Auswahl seiner Fotografien und Fotografiken in der Galerie Kunst-Kontor in Schönebeck aus. Fotos in einer großen Bandbreite von Straßenszenen über Naturfotos bis zu aus den Fotos erstellten Grafiken. Heute fand die Vernissage statt. Zu sehen ist die Ausstellung noch bis 28. Februar 2026.
| Die Laudatorin des Abends, Elisabeth Heinemann (links) gemeinsam mit Christoph Kunze und seiner Frau, die zu den Fotos passende Gedichte rezitierte. |
Elisabeth Heinemann, selbst Fotografin und mit dem Ehepaar Kunze seit Jahren befreundet, spricht über die Kunzes als Kunstsammler, über Gemälde und Grafiken in deren Wohnung, über Bilder, deren Urheber Christoph Kunze teils auch persönlich kannte, bereits aus seiner Studienzeit in Dresden. Als Kunzes Sammlung schon beträchtlich gewachsen war, stellte er erstmals in der Magdeburger Galerie Himmelreich aus – und fügte neben den Malern und Grafikern ein eigenes Foto bei. Das war dann Beginn einer Serie mehrerer eigener Ausstellungen.
Wie Kunze zum Fotografieren kam, das kennen wohl viele heutige Fotografen, jedenfalls die nicht mehr ganz so jungen: Vom Vater eine erste eigene Kamera geschenkt bekommen (bei Kunze war es eine Puva Start, eine wirklich sehr einfache Kamera mit nur wenigen Einstellmöglichkeiten), dann eine eigene Spiegelreflex und dazu die Möglichkeiten eines eigenen Schwarzweiß-Fotolabors. Später denn die digitale Fotowelt mit vielen neuen Möglichkeiten. Bei jüngeren Fotografen wird das wohl heute mit der Handykamera beginnen und der fotochemische Prozess kommt gar nicht mehr vor. Bei Kunze entwickelte sich im Lauf der Zeit ein Blick für die Vielfalt fotografischer Möglichkeiten.Fotografie lebt immer auch vom Festhalten des Augenblicks, vom Festhalten vergänglicher Eindrücke. Elisabeth Heinemann sagt das so: "Wenn wir ein Bild betrachten, dann sind die fotografierten Momente bereits Geschichte geworden. Oft finden wir durch die Schnelllebigkeit allen Geschehens kaum Zeit, uns der Vielfalt unserer Welt bewusst zu werden. Christoph Kunze reizt dieser Zauber des Augenblicks. Er bewahrt eine Vielzahl an besonderen Momenten, kleinen Wundern des täglichen Lebens. Es sind die leisen Töne, die man inmitten unserer immer hektischer werdenen Zeit als wohltuend empfindet."
Viele der ausgestellten Fotos sind Stillleben, mitunter auch grafisch bearbeitet und verfremdet, von der Fotografie hin zur Fotografik. Kunze sagt dazu: "Oft handelt es sich um Naturkompositionen von Vegetabilem und Floralem, auch als zufällig entdeckte Strukturen. Die Bilder sind nicht vorab im Kopf vorhanden, sondern sondern entstehen erst langsam im Prozess der inneren subjektiven Brechung, deren Bearbeitungsschritte oft wenig bewusst erscheinen und im Nachhinein kaum reproduzierbar sind. Fotografische Vorlagen werden aufgelöst, isoliert und dann betont mit besonderem Interesse für feine Oberflächenstrukturen und Texturen, aber auch für ornamentale Qualitäten neu komponiert und koloriert. Auch impressionistische oder gelegentlich surrealistische Wirkungen können von meinen Bildfindungen ausgehen, ohne dass sie bewusst angestrebt werden. Die Fotografien und Bilder gewinnen im Idealfall eine sich der Alltagssprache entziehende stille poetische Qualität. Der innere Prozess des Gestaltens ist ähnlich der Arbeitsweise eines bildenden Künstlers. Fotografie verbindet sich mit der malerischen Geste."
Aus dieser Vielzahl von Fotografiken sticht dann ein Bild hervor: das Schwarzweiß-Foto eines selbstversunken für dsich allein Fußball spielenden Jungen in einer städtischen Straße. Von der Bild- und Lichtstimmung her scheint das an die lange fotografische Traditionen der Straßenfotografie angelehnt.
In ihrer Laudatio rezitierte Elisabeth Heinemann ein Gedicht von Pia Monika Nittke, das auch auf Christoph Kunze zutrifft:
fotograf
in einer welt
der reize
farben
stiller schönheit
bewegt er sich mit seiner kamera
er sieht
was vielen nicht gegeben ist
zu sehen
entdeckt natur
in ihren tausendfältigen formen
bannt augenblick
zum bild
Die Cellistin Elisabeth Kalvelage begleitete die Vernissage musikalisch, mit Cellostücken zwischen Bach und der Moderne bis hin zu einem sehr lebendige vorgetragenen Tango.
Die kleine Schönebecker Galerie war voller Besucher*innen, die sich noch lange und angeregt über die Fotos unterhielten. Kunzes Bilder gibt es dort nicht nur zu erwerben, sondern wie immer auch in gesammelter Form in einem Kalaog mit nach Hause zu nehmen.
| Elisabeth Kalvelage begleitete die Vernissage mit ihrem Cello. |
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