Freitag, 21. September 2018

Zwei Arten Gitarre zu spielen

Amerikanisch-russisches Konzert in St. Stephani Calbe
McKinley Black – git, voc
Vladimir Spiridonov – git

Am Freitag Abend standen die amerikanische Singer-Songwriterin McKinley Black und der russische Gitarrist Vladimir Spiridonov gemeinsam in der Calbenser St.-Stephani-Kirche auf der Bühne. McKinley Black, die aus Massachusetts an der Ostküste der USA stammt, seit etwa zwanzig Jahren in Europa lebt und zuvor mit ihrer Gitarre durch die halbe Welt zog, erzählte mit ihren englischsprachigen Liedern Geschichten. Viele davon sind zart und poetisch, wenn sie etwa vom Weg zum Strand singt, der mit weißen Muschelschalen belegt ist (broken sea shells and roses), davon am Meer zu sitzen, mit den Füßen im Wasser, wenn irische Liebeslieder erklingen oder Lieder ihrer portugiesischen Großmutter. Völlig selbstverständlich vereint sie darin die Melancholie des Fado mit Rock und Blues.

Einige Songs handelten aber auch von der Härte des Lebens. So sang sie ein Lied über eine Freundin, die wegen Alkoholproblemen ins Gefängnis kam. „Das Leben ist wie eine Freak-Show“, hieß es im Text, „aber jeder hat das Recht auf eine zweite Chance“. In kleinen Anekdoten zog McKinley Black immer wieder interessante Vergleiche zwischen den USA und Deutschland. Passend zum vorhergehenden Song erklärte sie beispielsweise dem Publikum „Wenn du dort mit Alkohol am Steuer erwischt wirst, gehst du sofort in den Knast. Und hier in Deutschland? Da fährt Dich die Polizei nach Hause und dann sitzt du da und wartest nur auf Post“. Überhaupt ist vieles in Deutschland für sie "so niedlich". Nicht nur die Polizei, auch die kleinen Städte hier oder die Stürme, die in Amerika viel stärker sind.

Auf Alexander Spiridonov, der nach seinem Musikstudium von Moskau nach Berlin kam, stieß McKinley Black zufällig, als sie ihn vor der Berliner Kulturbrauerei als Straßenmusiker spielen hörte und ihn spontan einlud, tags drauf mit ihr gemeinsam zu spielen. In Calbe begeisterte Spiridonov das Publikum durch sein Fingerpicking-Gitarrenspiel, mit dem er neben eigenen Kompositionen auch Rock- und Pop-Standards lebendig werden ließ. In seinen Solostücken erwies er sich als ein Zauberer auf den sechs Saiten. Man meinte, eine kleine Band zu hören, wenn er Californian Dreaming spielt ("das Lieblingslied meines Vaters", wie er sagte) und zur Gitarrenmelodie auch Bassklänge und Schlagzeug auf dem Gitarrenkorpus erzeugte.

Samstag, 7. Juli 2018

Blog-Posts auf dem Tablet editieren

Wenn sich jemand über grobe Fehler in den Posts von unterwegs wundert: ich schreibe auf einem Tablet, auf dem der Editor der Google-Blogplatform nicht richtig läuft. Da muss ich dann im HTML-Quelltext schreiben. Und wenn dann noch durch die eingebaute Rechtschreibprüfung des Tablets automatisch Worte ersetzt werden, ohne dass man das will oder merkt, dann vermurkst einem das den Text ... :-( (letzteres ist jetzt ausgeschaltet...)

Freitag, 6. Juli 2018

TFF - der Freitag

Als Auftakt zum Festival-Freitag gab es für uns das Konzert von Wenzel und Band auf der Heidecksburg. Der obere Burghof war voller Leute - das ist bei einem 13-Uhr-Konzert alles andere als gewöhnlich. Aber ein Konzert von Wenzel bekommt man ja auch nicht alle Tage (naja, wir scheinbar schon...). Es gab Lieder aus seiner aktuellen CD, aber auch älteres. Leise Liebeslieder (wie „Komm zu mir und halt mich wach“) ebenso wie laute, zum mitsingen geeignete (wie „immer nur das gleiche“) und spätestens bei diesen schnellen Titeln hatte Wenzel sein Publikum im Bann. Das sang laut mit, auch wenn das Konzert erst beim letzten Stück vom Sitz- zum Stehkonzert wurde.

Wie üblich bei Wenzel packte er politische Botschaften in sein Programm. Ob es nun „Stacheldraht, Elektrozaun“ als neues Symbol für Europa war oder die Anmoderation zu seinem „Taiga-Lied“ („Man braucht den Russen als Feind. Ursula von der Leyen hat mir viel Geld versprochen, wenn die Hippies in Rudolstadt Angst vor den Russen bekommen“).

Wenzels Blick auf die Welt kommt von innen genauso wie von außen („man kann ein System nicht analysieren, wenn ma von außen kommt“). Aber vor allem ist sein Blick auf die Welt ein ehr poetischer.


Im Anschluss an das Wenzel-Konzert ging es auf der Burgterasse weiter, dort spielte Mari Kalkun & Runorun aus Estland. Der unmittelbare Wechsel zwischen Burgbühne und Burgterasse ist schwierig, weil dann alle Plätze auf der dortigen Tribüne und der Wiese davor bereits besetzt sind. Deshalb mußte ein Blick über die Mauer der Treppe ausreichen. Die estnischen Gesänge erinnerten n finnische Joiks. Betörend ruhige und einfache Klänge von menschlichen Stimmen und der Kantele, der estnischen Laute.

Donnerstag, 5. Juli 2018

TFF, der Donnerstag

Das Rudolstadt-Festival wurde am Donnerstag im Heinepark auf der Großen Bühne eröffnet, bei strömenden Regen. Das Konzert war dennoch sehr gut besucht.

Das Eröffnungskonzert kam von der israelischen Sängerin Yael Deckelbaum und der Band The Mothers. Damit setzte das Rudolstadt-Festival einen politischen Auftakt, denn die Musikerinnen sind engagierte Gegnerinnen der Kriege im Nahen Osten, der Auseinandersetzungen zwischen Israel und Palästina. „We are The Warriors of Peace“, sangen sie, und Yael Deckelbaum sagte „uns vereint nicht unsere Herkunft, nicht unsere Religion, nicht unser Beruf - uns vereinen zwei Dinge, wir sind alles Frauen, und wir sind davon überzeugt, daß das Leben ein Geheimnis ist. Und das müssen wir bewahren“. „Peace is our religion“, hieß es später in einem weiteren Lied.

Deckelbaum gehörte zu den Gründerinnen des „March of Hope“, des Marsches der Hoffnung, bei dem Tausende Frauen und Mütter gegen Kriege protestierten. Sie und ihre Band sangen davon, was Frauen seit Jahrtausenden tun: zu stricken. „Knit for knit“ ein es in einem Lied, „Knoten für Knoten“ kommen sie dem Frieden näher. Die Band spielt kräftig rockig, einzelne Lieder aber auch verhalten nachdenklich.


Auf der Konzertbühne ging es mit einem musikalischen Kontrastprogramm weiter, mit Steve Earl & The Dukes. Eine Country-Band aus den USA, aber gleichfalls mit politischer Ansage. Steve Earl spielt linken Country-Rock ist erklärter Gegner der gegenwärtigen amerikanischen Politik. Und das sagt er auch seinem Publikum. „Ich glaube nicht an Nationalismus, ich glaube nicht an Grenzen. Aber ich glaube an Gerechtigkeit und Frieden. Amerikanische Country-Musik ist oft tief religiös verwurzelt, dazu passend singt er davon, wie Abrahams Kinder in Jerusalem in Frieden leben. Seine Musik wechselt zwischen Country, Rock und Blues, oft ohne Pausen zwischen den Stücken. „From East Coast to West Coast we are playing the Blues“, heißt es in einem Lied.

Samstag, 23. Juni 2018

Wenzel und Band – Lieder für die kürzeste Nacht des Jahres

Höhepunkt des Konzertwochenendes in Kamp, eigentlich schon eines kleinen Festivals, war der gemeinsame Auftritt von Wenzel, seiner Band und Gästen.
Hans-Eckardt Wenzel – p, g, acc, voc
Thommy Krawallo – b, g
Hannes Scheffler – b, g
Stefan Dohanetz – dr, perc
Manual Agosthino Peireira – trp
Mascha – voc
Lotte – voc
Theo – voc

Abends um neun begann der Haupt-Akt des Abends, der Auftritt von Wenzel und seiner Band, der beinahe bis früh um zwei dauern sollte. In diesen knapp fünf Stunden gab es (fast) alles von Wenzel – und doch nur einen Bruchteil seiner von ihm geschriebenen Lieder.

Wenzel beginnt mit Liedern, bei denen das Publikum mitsingen kann. Man kann wohl davon ausgehen, dass die, die nur um Wenzel zu hören über schmale Betonplatten-Straßen in diesen so abgelegenen Ort fahren, mit Wenzels Musik gut vertraut sind. Aber es ist auch eine Eigenart von Wenzels Liedern, dass bei ihnen Text und Musik und Sinn eine solche geniale Einheit bilden, dass einem zumindest Teile der Texte wie von selbst in den Kopf kommen, so als hätte man sie dort schon immer parat. Das liegt wohl an Wenzels sehr speziellem Spiel mit Sprachbildern, die sich so perfekt mit der Musik vereinen und im Geist des Zuhörers wirken.

Wenzel und Morgenstern

Später, nach seinem Soloprogramm holte Wenzel sich Tobias Morgenstern auf die Bühne. Als Begleitung wäre in dem Fall völlig falsch geschrieben, schließlich ist Morgenstern ein Meister auf seinem Instrument („er spielt auf dem Akkordeon doppelt so schnell, wie ich je könnte“, sagte Wenzel über Morgenstern). 


Morgenstern begann dann auch mit einem Akkordeon-Solo, das mit französischen Musette-Melodien begann, aus denen dann das italienische „Azurro“ wurde. Und bei „Santa Statistika“ gab es zwischendurch ein begeisterndes Akkordeon-Duett beider Musiker.

Dann wechselten beide die Rollen, Morgenstern setzte sich ans Klavier und Wenzel sang zur Gitarre   „Oh könnt auch ich doch sagen, es kommt auf mich nicht an“. Nein Wenzel, gerade auf Dich und auf Leute wie Dich kommt es an! Am Ende dann nochmal beide am Akkordeon, als sich bei „Ich möchte eine kleine Wirtschaft führen“ beide als Meister der Musette erwiesen.

Wenzel Solo

Es war so schön, in der noch warmen Abendsonne zu stehen und Wenzels Lieder zu hören, so wie das vom Lavendelduft im Kleid, oder Textzeilen wie „diese Nacht ist uns gegeben, halten wir uns fest“ aufzunehmen. Oder auch das Lied über die Wahrheit (Über Wenzels Anmoderation „Wahrheit ist die Übereinstimmung von Aussage und Sachverhalt“ mußte ich erst mal nachdenken).


Wenzels Konzerte, mit Band wie auch solo, leben auch von seinen Zwischentexten. Etwa wenn er das Lied über Tegel („Ich traf sie in Tegel, sie kam vom Kongress über alternatives Reisen...“) ankündigte, „Damit ich das Lied noch lange singen kann, habe ich die Leute bestochen. Der Flughafen wird nicht nur nie fertig, er wird auch fünf mal so teuer“ Spätestens bei dem Lied standen alle da und sangen mit.