Joachim Schäfer (Trompete) und Alina Kushniarova (Orgel) spielten heute in der Pretziener St.-Thomas-Kirche. Der Dresdener Trompeter Joachim Schäfer war schon oft und in unterschiedlichen Besetzungen Gast des
des Pretziener Musiksommers. Diesmal kam er in Begleitung der in
Weißrussland geborenen und in Bremen lebenden Organistin Alina
Kushniarova. Das Konzert, das letzte am Ende einer dreiwöchigen Tournee, hatte er den beiden Instrumenten entsprechend unter den Titel "Das Instrument der Könige und die Königin der Instrumente" gestellt.
Die Kirche war diesmal bis zum allerletzten Platz gefüllt, Besucher saßen auch auf der Treppe zum Turm und im Bereich hinter der Orgel, neben dem heiligen Grab. Aufgeheizt von der sommerlichen Hitze war es auch in der Kirche angenehm warm. Noch bis zum Beginn des Konzertes summte die Kirche wie ein Bienenschwarm von Gesprächen der Konzertbesucher. Als aber die zum Konzert läutende Glocke allmählich verklang und Pfarrer Michael Seils zur Begrüßung nach vorn trat, wurde es plötzlich ruhig.
Das Programm begann mit barocker Orgelmusik von Guiseppe Romanino, über den außer dem Namen nichts bekannt ist. Einfache und klare Orgelmelodien sind zu hören, über den hoch Joachim Schäfers Trompete, mit beeindruckenden signalartigen Tönen. Der zweite, langsamere Satz hat dann Liedcharakter. In einer A-Dur-Sonate von Arcangelo Corelli wechselten sich Trompete und Orgel gleichberechtigt und abwechselnd in der Melodieführung ab, wobei die Orgel mehr Raum erhielt, die Melodien auszuschmücken.
Eine der wichtigsten Faustformeln beim Fotografieren: Sonne lacht - Blende 8. Die Belichtungszeit entspricht dabei etwa der ISO-Filmempfindlichkeit. Klappt auch heute noch.
Samstag, 10. August 2019
Donnerstag, 8. August 2019
Ausstellung "Gräser und mehr"
Gräser in unterschiedlichen künstlerischen Formen sind in einer Ausstellung in der Galerie Süd der Feuerwache Magdeburg zu sehen. Anne Facius, Andrea Markus und Rolf Winkler haben sich auf unterschiedliche Art den Gräsern gewidmet.
Nadja Gröschner vom Magdeburger Kulturzentrum Feuerwache übergab nach einer kurzen Begrüßung die Moderation an Karin Tietz, die die drei Künstler interviewte und zu ihren künstlerischen Ansätzen befragte. Alle trugen dabei Mützen bzw. Kappen aus Gräsern, die auf den ersten Blick wie Pelz aussahen.
"Wir haben hier drei Künstlerinnen und Künstler, die sich mit Natur beschäftigen", stellte Karin Tietz zu Beginn fest und fragte in die Runde "Wie habt Ihr Euch denn kennengelernt?" Aus den Antworten war indirekt auch die Bedeutung von Ausstellungen herauszuhören, die eben nicht nur den Besuchern Kunst zeigen, sondern auch Künstler miteinander in Kontakt bringen. Denn letztlich hatten alle Antworten etwas mit Ausstellungen zu tun, die man besuchte und neues fand – was zugleich zeigt, dass die Kunst- und Kulturszene in Sachsen-Anhalt dann doch nicht so klein ist, dass jeder schon jeden kennt.
Die Textilgestalterin und Weberin Anne Facius wurde danach gefragt, wie sie zu ihren Ideen kam, Gräser zu verwenden. "Immer wenn ich sah, wie sich Gräser sanft im Wind wiegten, dachte ich 'da muss man doch etwas daraus machen können'". Zunächst waren es gewebte Stoffe. In der Galerie hängen einige Wandteppiche aus Gräsern, die zeigen, wie unterschiedlich sowohl das Material, die Grashalme und Rispen sein können als auch die daraus entstehenden Strukturen. Das macht Lust darauf, diese auch anzufassen. Anne Facius bittet aber darum, das nicht zu tun, jedenfalls nicht gegen den Strich zu streifen, weil sonst die Halme brechen können. "Die Mäntel aus Gräsern wollte erst keiner tragen, weil sie zu fest waren", erklärt sie, "da kam ich dann auf die Idee, Kappen und Kragen aus Gräsern zu fertigen". Durchbruch für die Gras-Kunst war dann die BUGA 2015 in Premnitz, als sie gemeinsam mit anderen in ihren künstlerisch gestalteten Gras-Kappen über das BUGA-Gelände flanierte. Bald kam das Interesse der Mode-Branche (sicher auch unter dem Blick auf die Diskussion über Pelze und Pelztierhaltung), es folgten Auftritte auf dem Laufsteg. Mit ihrer Bemerkung "... wo sonst nur die jungen und schlanken auftreten – und so jung und schlank sind wir alle nicht mehr" hatte Anne Facius die Lacher des Publikums auf ihrer Seite.
| Nadja Gröschner, Anne Facius, Karin Tietz, Rolf Winkler und Andrea Markus (von links). |
Nadja Gröschner vom Magdeburger Kulturzentrum Feuerwache übergab nach einer kurzen Begrüßung die Moderation an Karin Tietz, die die drei Künstler interviewte und zu ihren künstlerischen Ansätzen befragte. Alle trugen dabei Mützen bzw. Kappen aus Gräsern, die auf den ersten Blick wie Pelz aussahen.
"Wir haben hier drei Künstlerinnen und Künstler, die sich mit Natur beschäftigen", stellte Karin Tietz zu Beginn fest und fragte in die Runde "Wie habt Ihr Euch denn kennengelernt?" Aus den Antworten war indirekt auch die Bedeutung von Ausstellungen herauszuhören, die eben nicht nur den Besuchern Kunst zeigen, sondern auch Künstler miteinander in Kontakt bringen. Denn letztlich hatten alle Antworten etwas mit Ausstellungen zu tun, die man besuchte und neues fand – was zugleich zeigt, dass die Kunst- und Kulturszene in Sachsen-Anhalt dann doch nicht so klein ist, dass jeder schon jeden kennt.
Die Textilgestalterin und Weberin Anne Facius wurde danach gefragt, wie sie zu ihren Ideen kam, Gräser zu verwenden. "Immer wenn ich sah, wie sich Gräser sanft im Wind wiegten, dachte ich 'da muss man doch etwas daraus machen können'". Zunächst waren es gewebte Stoffe. In der Galerie hängen einige Wandteppiche aus Gräsern, die zeigen, wie unterschiedlich sowohl das Material, die Grashalme und Rispen sein können als auch die daraus entstehenden Strukturen. Das macht Lust darauf, diese auch anzufassen. Anne Facius bittet aber darum, das nicht zu tun, jedenfalls nicht gegen den Strich zu streifen, weil sonst die Halme brechen können. "Die Mäntel aus Gräsern wollte erst keiner tragen, weil sie zu fest waren", erklärt sie, "da kam ich dann auf die Idee, Kappen und Kragen aus Gräsern zu fertigen". Durchbruch für die Gras-Kunst war dann die BUGA 2015 in Premnitz, als sie gemeinsam mit anderen in ihren künstlerisch gestalteten Gras-Kappen über das BUGA-Gelände flanierte. Bald kam das Interesse der Mode-Branche (sicher auch unter dem Blick auf die Diskussion über Pelze und Pelztierhaltung), es folgten Auftritte auf dem Laufsteg. Mit ihrer Bemerkung "... wo sonst nur die jungen und schlanken auftreten – und so jung und schlank sind wir alle nicht mehr" hatte Anne Facius die Lacher des Publikums auf ihrer Seite.
Freitag, 19. Juli 2019
Liev alleen
Im Film "Liev alleen" gibt der Berliner Schriftsteller Peter Wawerzinek filmische Einblicke in das Leben eines Kindes, das das Glück hatte, in einem DDR-Kinderheim aufzuwachsen – statt in einer psychatrischen Anstalt, wie seine ein Jahr jüngere Schwester, die von ihm getrennt wurde, nachdem ihre Eltern 1957 in den Westen abgehauen waren und ihre beiden 2- und 3-jährigen Kinder zurückließen.
Der Film, den Wawerzinek gemeinsam mit Steffen Sebastian drehte, orientiert sich an dem, was Wawerzinek bereits 2010 in seinem Roman "Rabenliebe" beschrieb. Er ist aber kein Film zum Buch, sondern eine filmische Interpretation und zugleich eine Spurensuche, ein Blick auf die Orte der Kindheit ebenso der Versuch einer Beschreibung. Wawerzink spielt darin auch als Kind sich selbst, mit Lederhose und kariertem Hemd steht er da und sinnt seiner Kindheit nach. Wenn die Personen des autobiografischen Films nicht vor der Kamera stehen wollen oder können, dann werden sie verfremdet gespielt. Die Mutter Wawerzineks, nach der er sein halbes Leben lang suchte, wird durch einen Mann in Frauenkleidern dargestellt, mit dem Fluchtkoffer in der Hand und keine Ruhe findend.
Der Film, den Wawerzinek gemeinsam mit Steffen Sebastian drehte, orientiert sich an dem, was Wawerzinek bereits 2010 in seinem Roman "Rabenliebe" beschrieb. Er ist aber kein Film zum Buch, sondern eine filmische Interpretation und zugleich eine Spurensuche, ein Blick auf die Orte der Kindheit ebenso der Versuch einer Beschreibung. Wawerzink spielt darin auch als Kind sich selbst, mit Lederhose und kariertem Hemd steht er da und sinnt seiner Kindheit nach. Wenn die Personen des autobiografischen Films nicht vor der Kamera stehen wollen oder können, dann werden sie verfremdet gespielt. Die Mutter Wawerzineks, nach der er sein halbes Leben lang suchte, wird durch einen Mann in Frauenkleidern dargestellt, mit dem Fluchtkoffer in der Hand und keine Ruhe findend.
Sonntag, 23. Juni 2019
Wenzel und Gäste: Sommerkonzert in Kamp
Jedes Jahr zum Sommeranfang lädt Wenzel in der kürzesten Nacht des Jahres zum Konzert. "Wenzel und Gäste" steht als Titel darüber und Wenzel spielt mal Solo, mal mit Begleitung, mal mit mit seiner kompletten Band bis in den Morgen hinein. Mit viel Engagement unterstützt der Kamper Hafenverein das Konzert und macht überhaupt erst möglich, dass sich die hunderten Besucher einen Abend lang so wohl an diesem schönsten Ende derWelt fühlen. In diesem Jahr zum zwanzigsten Mal.
Am Anfang des Konzertes steht Wenzel allein auf der Bühne, mit Gitarre, mit Akkordeon. "Sing den Trotz dir aus der Kehle / geb' dich nicht geschlagen / kotze Dir nicht deine Seele aus dem Magen" singt Wenzel zu Beginn. Ein neues Lied, in dem er sich gegen die allgegenwärtige Meinungsmache der "Wutbürger" stellt. Neben den kräftigen Liedern stehen immer wieder sanfte, wie "mach die Türe sachte zu / jedes Ich braucht auch ein Du". ("Scheiße, Mach die Türe zu, das ist ja merkwürdiger Satz gleich am Beginn eines Konzertes" sagt er dazu). Man hört dieses Lied und fühlt sich gleich heimisch in Kamp. "Was ist Wahrheit?" fragt Wenzel: "die Übereinstimmung zwischen Vorstellung und Wirklichkeit" und singt sein Lied von der schönen Festung Lilienstein. Auf "für mich sind tausend Tode ausgedacht" folgt "Diese Nacht ist uns gegeben / lasst uns etwas lauter leben".
Gleich darauf begrüßt Wenzel Tobias Morgenstern auf der Bühne. "schon 40 Jahre spielen wir zusammen", sagt er. Morgenstern begann erst solo, mit wunderschöner Musette-Klängen auf seinem Akkordeon, zog mit weitausholenden Bewegungen den Balg des Instrumentes in die Länge, seine Finger fliegen über die Tasten. Danach kommt Wenzel wieder hinzu. Auch im Duo wechseln poetische Lieder mit kräftigen, wie Sankta Statistica. Oh könnte man doch sagen / es kommt auf mich nicht an ist dann wieder eines der Lieder, die nur zu gut auf unser Zeit passen. Doch, Wenzel, Du hast recht, es kommt auf Dich an, es kommt auf jeden von uns an. Und wie viel bequemer könnte es sein, sich zurückzulehnen. Auch von Wenzel vertonte Texte von Theodor Kramer standen auf dem Programm, wie Hätt ich ein Gewind zu schmieren oder ich möchte eine kleine Wirtschaft führen, das schon von seiner allerersten Schallplatte stammt. Ja, in solcher einer kleinen Wirtschaft möchte ich selbst auch gern sitzen.
Gemeinsam mit seiner Band, die ihn wie immer wunderbar begleitet, beginnt Wenzel im nächsten Set dann mit Liedern der aktuellen CD. Lieder wie Nur der Mond mit seinem Licht, mit den kräftigen Trommelschlägen von Stefan Dohanetz. Als Wenzel und Band dann ihr "Ahoi, ahoi, ... sie kriegen uns doch alle" anstimmen, dann kriegen sie sie aber auch in Kamp alle: alle Zuhörer, die dicht gedrängt stehen und spätestens da laut mitsingen. Und auch Theo ist hier auf der Bühne, um mit seiner hellen Stimme den Refrain laut mitzusingen (wie auch bei einigen anderen Liedern, deren Refrain zum lauten mitsingen geradezu herausfordert).
Hans-Eckardt Wenzel – p, g, acc, voc
Theo – voc
Thommy Krawallo – b, g
Hannes Scheffler – b, g
Stefan Dohanetz – dr, perc
Manual Agosthinho Peireira – trp
Lexa Schäfer – b (im letzten Set)
Am Anfang des Konzertes steht Wenzel allein auf der Bühne, mit Gitarre, mit Akkordeon. "Sing den Trotz dir aus der Kehle / geb' dich nicht geschlagen / kotze Dir nicht deine Seele aus dem Magen" singt Wenzel zu Beginn. Ein neues Lied, in dem er sich gegen die allgegenwärtige Meinungsmache der "Wutbürger" stellt. Neben den kräftigen Liedern stehen immer wieder sanfte, wie "mach die Türe sachte zu / jedes Ich braucht auch ein Du". ("Scheiße, Mach die Türe zu, das ist ja merkwürdiger Satz gleich am Beginn eines Konzertes" sagt er dazu). Man hört dieses Lied und fühlt sich gleich heimisch in Kamp. "Was ist Wahrheit?" fragt Wenzel: "die Übereinstimmung zwischen Vorstellung und Wirklichkeit" und singt sein Lied von der schönen Festung Lilienstein. Auf "für mich sind tausend Tode ausgedacht" folgt "Diese Nacht ist uns gegeben / lasst uns etwas lauter leben".
Gleich darauf begrüßt Wenzel Tobias Morgenstern auf der Bühne. "schon 40 Jahre spielen wir zusammen", sagt er. Morgenstern begann erst solo, mit wunderschöner Musette-Klängen auf seinem Akkordeon, zog mit weitausholenden Bewegungen den Balg des Instrumentes in die Länge, seine Finger fliegen über die Tasten. Danach kommt Wenzel wieder hinzu. Auch im Duo wechseln poetische Lieder mit kräftigen, wie Sankta Statistica. Oh könnte man doch sagen / es kommt auf mich nicht an ist dann wieder eines der Lieder, die nur zu gut auf unser Zeit passen. Doch, Wenzel, Du hast recht, es kommt auf Dich an, es kommt auf jeden von uns an. Und wie viel bequemer könnte es sein, sich zurückzulehnen. Auch von Wenzel vertonte Texte von Theodor Kramer standen auf dem Programm, wie Hätt ich ein Gewind zu schmieren oder ich möchte eine kleine Wirtschaft führen, das schon von seiner allerersten Schallplatte stammt. Ja, in solcher einer kleinen Wirtschaft möchte ich selbst auch gern sitzen.
Gemeinsam mit seiner Band, die ihn wie immer wunderbar begleitet, beginnt Wenzel im nächsten Set dann mit Liedern der aktuellen CD. Lieder wie Nur der Mond mit seinem Licht, mit den kräftigen Trommelschlägen von Stefan Dohanetz. Als Wenzel und Band dann ihr "Ahoi, ahoi, ... sie kriegen uns doch alle" anstimmen, dann kriegen sie sie aber auch in Kamp alle: alle Zuhörer, die dicht gedrängt stehen und spätestens da laut mitsingen. Und auch Theo ist hier auf der Bühne, um mit seiner hellen Stimme den Refrain laut mitzusingen (wie auch bei einigen anderen Liedern, deren Refrain zum lauten mitsingen geradezu herausfordert).
Samstag, 22. Juni 2019
Kamper Impressionen
Immer in der kürzesten Nacht des Jahres kommen Hunderte nach Kamp, um Wenzel live zu hören, gemeinsam zu feiern, zu tanzen. Freunde von Wenzels Musik, von Wenzel, seinen Musikern. Denn auch so kann man "Wenzel und Gäste", den Titel des Sommerkonzertes, verstehen.
Kamp ist ein winziges Dorf, vielleicht nicht mal das, hat nur noch 13 Einwohner. Im Sommer ein paar mehr, wenn der Hafen Wassersportler anzieht und einige Ferienwohnungen belegt sind. Wenzel und seine Band hatten sich vor vielen Jahren dorthin zum gemeinsamen Proben zurückgezogen. Irgendwann sagten sie zu, mal beim jährlichen Hafenfest aufzutreten. "Diesmal ist es das zwanzigste Mal, dass wir in Kamp spielen", sagte Wenzel. "Im Jahr drauf machten wir dann das erste mal ein eigenes Konzert draus, mit Freunden gemeinsam", sagte Wenzel. Eines der ersten Wenzel-und-Gäste-Konzerte hatten wir besucht, als wir in Usedom mit den Kindern Urlaub machten und zufällig davon lasen. Dann verloren wir Kamp etwas aus den Augen und sind erst die letzten Jahre wieder regelmäßig dort. Dort, wo die Welt hinter einen langen und schmalen Betonplattenstraße zu Ende ist, am vielleicht entspanntesten Ende der Welt. Denn ist man nach langer Fahrt endlich angekommen, hat das Auto auf dem Wiesenparkplatz abgestellt, hat, weil man rechtzeitig losgefahren ist, noch viel Zeit bis zum ersten Konzert, dann ist es wirklich so wunderbar ruhig und entspannt. Die mitgebrachte Flasche Wein wird geöffnet, das Auto zum schlafen hergerichtet, dann ein Stündchen ausgeruht oder ein kleines Stück spazieren gegangen.
| Park- und Zeltplatz |
Kamp ist ein winziges Dorf, vielleicht nicht mal das, hat nur noch 13 Einwohner. Im Sommer ein paar mehr, wenn der Hafen Wassersportler anzieht und einige Ferienwohnungen belegt sind. Wenzel und seine Band hatten sich vor vielen Jahren dorthin zum gemeinsamen Proben zurückgezogen. Irgendwann sagten sie zu, mal beim jährlichen Hafenfest aufzutreten. "Diesmal ist es das zwanzigste Mal, dass wir in Kamp spielen", sagte Wenzel. "Im Jahr drauf machten wir dann das erste mal ein eigenes Konzert draus, mit Freunden gemeinsam", sagte Wenzel. Eines der ersten Wenzel-und-Gäste-Konzerte hatten wir besucht, als wir in Usedom mit den Kindern Urlaub machten und zufällig davon lasen. Dann verloren wir Kamp etwas aus den Augen und sind erst die letzten Jahre wieder regelmäßig dort. Dort, wo die Welt hinter einen langen und schmalen Betonplattenstraße zu Ende ist, am vielleicht entspanntesten Ende der Welt. Denn ist man nach langer Fahrt endlich angekommen, hat das Auto auf dem Wiesenparkplatz abgestellt, hat, weil man rechtzeitig losgefahren ist, noch viel Zeit bis zum ersten Konzert, dann ist es wirklich so wunderbar ruhig und entspannt. Die mitgebrachte Flasche Wein wird geöffnet, das Auto zum schlafen hergerichtet, dann ein Stündchen ausgeruht oder ein kleines Stück spazieren gegangen.
Wenzel und Theo: Wir machen Musik
Das erste Konzert von Wenzel und Freunden gehört den Kindern. Und gehört auch Theo. Allein mit seinem 8jährigen Sohn steht Wenzel auf der Bühne am Hafen von Kamp und singt Kinderlieder, alte und neue, und egal ob klein oder groß, alle singen mit, haben Freude an der Musik.
Stellt Euch alle in den Kreis / jeder singt das was er weiß / jeder spielt das was er kennt / auf dem Instrument – mit dem ersten Lied von Maschas Kinderlieder-CD beginnen Wenzel und Theo ihr Konzert. Und bald füllt sich der Kreis um die Bühne, sitzen in der Mitte die Kinder, stehen am Rand die Erwachsenen. Denn auch die wollen mitsingen. Etwa wenn es heißt "bunt ja bunt sind alle meine Kleider" oder Wenzel ein Lied singt, "in dem zwei sich streiten und am Ende doch etwas gutes dabei herauskommt" und hinzufügt "da können wir was draus lernen". (Der Kuckuck und der Esel). Überhaupt ist Wenzel auch bei den Kinderliedern immer gern mit Kommentaren dabei, die sich auf die Welt der Großen beziehen. Etwa bei "Auf der Mauer, auf der Lauer": "Ein Lied, bei dem man immer was weglassen muss, bis am Ende nichts mehr da ist, so wie bei der Kulturförderung in Deutschland".
Stellt Euch alle in den Kreis / jeder singt das was er weiß / jeder spielt das was er kennt / auf dem Instrument – mit dem ersten Lied von Maschas Kinderlieder-CD beginnen Wenzel und Theo ihr Konzert. Und bald füllt sich der Kreis um die Bühne, sitzen in der Mitte die Kinder, stehen am Rand die Erwachsenen. Denn auch die wollen mitsingen. Etwa wenn es heißt "bunt ja bunt sind alle meine Kleider" oder Wenzel ein Lied singt, "in dem zwei sich streiten und am Ende doch etwas gutes dabei herauskommt" und hinzufügt "da können wir was draus lernen". (Der Kuckuck und der Esel). Überhaupt ist Wenzel auch bei den Kinderliedern immer gern mit Kommentaren dabei, die sich auf die Welt der Großen beziehen. Etwa bei "Auf der Mauer, auf der Lauer": "Ein Lied, bei dem man immer was weglassen muss, bis am Ende nichts mehr da ist, so wie bei der Kulturförderung in Deutschland".
Samstag, 15. Juni 2019
Holzhaustheater: Schieß mich doch zum Mond
Bereits zum 20. Mal führte das Holzhaustheater Zielitz seine Kalimandscharo-Festspiele durch. Zum Jubiläum hatte sich Theaterleiterin und Regisseurin Sigrid Vorpahl das Thema von George Bernhard Shaws Pygmalion (vielleicht bekannter als Musical My fair Lady) ausgesucht und die Geschichte um das Blumenmädchen Eliza Dolittle und den Sprachgelehrten Prof. Higgins ins Magdeburgische (oder besser: ins Machdeburjische) versetzt.
Dem Holzhaustheater ist damit eine wunderbare Aufführung gelungen, mit der Regisseurin und Schauspieler ihre bisherigen Inszenierungen selbst übertroffen haben. Unter anderem mit einer sehr guten Ensembleleistung, bei der die Laien nicht hinter den beiden Profis (Schauspieler Ekkehard Schwarz und Kabarettist Udo Kleinfeld) zurückstehen. Unbedingt empfehlenswert!
Viele der bisherigen Stücke des Sommertheaters auf dem Kalimandscharo waren Themen der Olsenbande entlehnt oder nahmen lokale Geschichten oder Sagen der Region zum Ausgangspunkt. Hier nun bediente sich Sigrid Vorpahl eines weltbekannten Themas. Sie ließen den Ort der Handlung in London, versetzten das Stück sprachlich aber nach Magdeburg. Funktioniert das? Auf jeden Fall! Die Gefahr, damit ins lokal-klamaukige abzurutschen umging das Ensemble damit, dass sie sich inhaltlich und örtlich dicht am Original hielten.
Blumenmädchen Eliza begeisterte durch ihr natürliches Spiel ebenso wie durch ihre Art, mit ihrem grauenhaften Dialekt zugleich auch nicht auf den Mund gefallen zu sein. "Ach Jottchen, Scharlottchen, det is een Schentelmen", so etwa ist ihr Sprachgebrauch, als sie den etwas verschrobenen Professor beschreibt, der ihr für eine völlig überhöhte Summe alle Blumen abkauft.
Dem Holzhaustheater ist damit eine wunderbare Aufführung gelungen, mit der Regisseurin und Schauspieler ihre bisherigen Inszenierungen selbst übertroffen haben. Unter anderem mit einer sehr guten Ensembleleistung, bei der die Laien nicht hinter den beiden Profis (Schauspieler Ekkehard Schwarz und Kabarettist Udo Kleinfeld) zurückstehen. Unbedingt empfehlenswert!
Viele der bisherigen Stücke des Sommertheaters auf dem Kalimandscharo waren Themen der Olsenbande entlehnt oder nahmen lokale Geschichten oder Sagen der Region zum Ausgangspunkt. Hier nun bediente sich Sigrid Vorpahl eines weltbekannten Themas. Sie ließen den Ort der Handlung in London, versetzten das Stück sprachlich aber nach Magdeburg. Funktioniert das? Auf jeden Fall! Die Gefahr, damit ins lokal-klamaukige abzurutschen umging das Ensemble damit, dass sie sich inhaltlich und örtlich dicht am Original hielten.
Blumenmädchen Eliza begeisterte durch ihr natürliches Spiel ebenso wie durch ihre Art, mit ihrem grauenhaften Dialekt zugleich auch nicht auf den Mund gefallen zu sein. "Ach Jottchen, Scharlottchen, det is een Schentelmen", so etwa ist ihr Sprachgebrauch, als sie den etwas verschrobenen Professor beschreibt, der ihr für eine völlig überhöhte Summe alle Blumen abkauft.
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